Es kann sein, dass Claudius Seidl das ganze Restjahr 2016 damit beschäftigt sein wird, Nachrufe zu schreiben, wenn das ganze Abgelebe dermaßen hochgetaktet weitergeht und sich überschneidet, wie zwei übergangslos aufeinanderfolgende Erkältungen, die dazu führen, daß man seine eigene physische Intuition auf den Zustand reduziert findet, der bei Apple dem sich drehenden bunten Schneckchen entspräche.
Aus dem Leben eines Typen: Im Sommer 2012 habe ich einen luxemburgischen Regisseur kennengelernt, der sich bei mir nach Musikern “aus der Umgebung” erkundigte. Er suche jemanden, den Film zu “scoren”, dessen Drehbeginn bald anstand und bei dem er, der Luxemburger, Regie führen würde. Eine Adaption von Schillers “Räuber”, irgendwelche Franzosen spielen da mit, Mario Adorf hatte kurz vorher abgesagt, man suche derzeit Ersatz, “fieberhaft” wahrscheinlich (die Rolle hat dann Maximilian Schell übernommen. Der Film wurde von der Kritik ganz knapp nicht vollkommen planiert). Noch bevor mein Gehirn irgendeine Flamme warf, sagte mein Gesicht: “Ich kann das machen.”
Der Regisseur ließ mir ein moodbook zukommen, ich sollte einen Eindruck von der Anmutung des Films bekommen, ein paar Ideen aufnehmen und ihm zukommen lassen, seinem Assistenten, um genau zu sein. Wir hatten uns zuvor zwei, drei Mal über Musik generell unterhalten, und als klar wurde, dass er sich für den Film etwas im Stile von Neu! oder Cluster vorstellte, erschien es mir nicht allzu verwegen, mich selbst vorzuschlagen – anscheinend. (siehe oben)
Ich nahm ein paar Sachen auf, schickte sie seinem Assistenten, dann passierte zunächst: nichts. Tumbleweed-Nichts. Modernste Marter ist der Unverbindlichkeitsschlamm, in dem fast alle bis mindestens zum Fußknöchel darben, die verkommene Mehrheit scheint sich das bis zum heutigen Tag noch als Vorteil zurecht zu blödeln. Zurück in 2012, stellte sich nach einigen Wochen gradlinigen Schweigens heraus, dass sich der Regisseur für jemand anderes entschieden hatte. Das wiederum teilte er mir persönlich mit. Ein schöner Moment, denn ich hatte nicht bedacht, dass ein Nein auch very very sweet sein kann: ich wurde durch Michael Rother ersetzt. Können Sie das von sich behaupten, Leser/in?
For the beautiful fish: https://www.youtube.com/watch?v=7UI9MlSjiRA
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