Freitag, 1. Juli 2016

Ich zog schon letzte Woche Frischs “Berliner Journal” wieder aus dem sich nahezu täglich verändernden Büchertürmchen, das neben meinem Bett angeordnet ist. Je näher das Buch am Bett, je mehr bedeute ich mir damit selbst: dies ist nun abzuarbeiten. Das Augstein-Buch von Irma Nelles habe ich schon weitergeschickt in die zarten Hähnchen einer klugen Frau, aus Kermanis Dein Name lugen oben neongrüne Post-its heraus, manchmal habe ich anscheinend so Anfälle, dass ich sowas mache, also Post-its. Noch viel zu lesen in dem Buch. Dann noch die beiden Guston-Bücher, Night Studio und der Katalog zur Ausstellung in der Frankfurter Schirn vor ein paar Jahren, sowie Gauguins Noa Noa, das letzte Woche von mir in die Hand und nochmal gelesen werden wollte, es mag am tropischen Wetter gelegen haben, am Geruch der Luft, an der Müdigkeit, an die ich quasi angekettet schien, was weiß denn ich, aber es war meine Begleitung. Gestern zog ich Walker Percys Der Kinogeher aus dem Regal, keine Ahnung warum, und legte es auf den oben beschriebenen Stapel. Außerdem fiel mir gestern auf, dass ich schon lange nicht mehr The Doldrums von Ariel Pink gehört habe, eine Platte, die ich den Sommern der letzten fünf oder sechs Jahre viel gehört habe, nachts, während ich zeichnete und Campari Sodas trank, noch in der alten Wohnung, die deutlich leiser war, aber nicht minder stark erfüllt vom Geruch von Bäumen und Sträuchern. 

Am Morgen beobachte ich merkwürdiges Flugverhalten bei sieben Fliegen: sie fliegen im Dreieck, gleichmäßig und klar, wie dem Verlauf einer vorgezeichneten Bahn folgend. Dann, wenn sich die Flugzonen von zwei Fliegen kreuzen, brechen sie plötzlich aus aus ihrem gleichmäßigen Flug und rasen wie Irre aufeinander zu und kollidieren, wie man das von Elchbullen oder Ziegenböcken kennt, wenn sie ihre Geweihe ineinander keilen. Ich beobachte das ein paar Minuten und frage mich ernsthaft, ob ich das wirklich sehe oder der Schlaf noch in meinem Gehirn wirkt. 

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