Mittwoch, 3. Mai 2017

Seit ich da bin,
weg, weg, weg,

(M. Kippenberger)

Kaum aufgewacht, war alles automatisch interessant dumm. Die Sonne, wie sie da ins Zimmer scheint: falsch – die Bäume, wie sie da herumstehen: falsch – Menschen: schlimm, eigentlich auch die Netten. Man muss sich sehr glücklich schätzen, sich nicht selbst beobachten zu müssen bei dem, was man die ganze Zeit macht. Und dann ab ins Hemd und versuchen, den Scheiß zu vergessen. ALLES KLAR: LUTHER-JAHR

Vorher das: Sonntagabend, nach 21 Uhr, die letzte Phase Blau bereits verschwindend am Firmament, war ich noch losgefahren, rüber nach Deutz, mir ein Atelier anschauen. Patrick, der Hauptmieter, ist ein Kunst- und Sportlehrer aus Düren, der, glaube ich, früher bei der Luftwaffe war, heute: Frau, zwei Kinder, drei und sechs Jahre alt. Er malt Lichtensteins und Picassos nach. Bis an die Decke hängt der “Taubenschlag”, wie er es nennt, damit voll. Ich streife all das nur mit dem Blick, schütze mich so, sonst werde ich zugesendet. Das geht mir immer eigentlich zu schnell heutzutage, mit den Informationen, mit dem Material, das jeder mitbringt in eine Begegnung. 

Ich mochte den Raum, er ist so schön draußen und drinnen, vermittelt Abgeschiedenheit, ohne mit der potentiell grausamen Stille der Natur allzu verwandt zu sein. An einem Moment drehte ich mich kurz auf dem Stuhl um, sah, wie es nun dunkel war, zog an der Zigarette, derer ich noch zwei weitere rauchte, von Patrick angeboten, und dachte: warum denn nicht. 

Patrick berichtete außerdem von “Problemen” mit seiner Frau, weil er jetzt die weibliche Nacktheit entdeckt habe (”so schön”), für die Kunst, und nun gäbe es eine “ganze Reihe von Mädels”, die sich von ihm malen lassen wollen. Sagte er. Er wisse, er verlange viel von seiner Frau, die sich unterdessen um die beiden Kindern kümmern müsse, während er im Atelier nackte “Mädels” usw. Ich nickte freundlich, aber innerlich freute ich mich wie ein Babyboy über diesen ultraplakativen Moment, die ganze Einfachheit, die Klarheit. Bei “Mädels” wußte ich eigentlich schon Bescheid. Nachdem ich das Beck’s Bier ausgetrunken hatte, ging ich – bei guter Laune – im Sinne keiner Leitkultur die dunkle Treppe hinunter, ins Freie, ins Wetter. 

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