Um 10 Uhr lösen wir alle Kölner Sirenen aus. Der Probealarm beginnt mit einem einminütigen Dauerton, der im Ernstfall “Entwarnung” bedeutet.
“Auslösen”, natürlich, das ist das Verb. Grad kommts mir so fremd, su aussergewöhnlich, so schön vor. Auslösen. Und dennoch: wir wären doch alle sofort verloren, begänne morgen der Krieg, EIN KRIEG – es wäre doch nur ein weiterer, warum sollte man DER Krieg sagen, das ist doch mal wieder vollkommen überheblich: der Westen. Und ja, wir wären, wie gesagt, alle verloren, denn wir wissen nicht mal, was uns die Sirenen sagen.
Da war doch was, grade, Assoziation, Gehirnarbeit, Blumfeld, genau:
…und ich dann in die Küche lief auf meinen Platz,
den ich verließ wie einen Glauben
wie die Klassenzimmer, Sportplätze, Partykeller
Sicherheitszonen geschaffen von Eltern
und Menschen, die in Luftschutzbunkern wohnen,
in denen Du sonst nichts vermißt außer Dir selbst…
Gut ist einfach gut.
Ich habe das jetzt angemacht, ich höre gleichzeitig die Sirenen und “Ich-Maschine”. Tonal passt es nicht ganz, aber das gleicht die Wahrheit aus, das wird dahingehend ausgebeult. Ein nasser Himmel, der keinen Hinweis auf Tageszeit in sich trägt. Es ist trotzdem 10.15 Uhr.
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