So, 21.07.2019

DER MARKT, IN BEWEGUNG

Ich browse in der Bibliothek des PocketBook, das ich seit Monaten von meiner Nachbarin geliehen habe. Die Bibliothek hat 82 gefüllte, digitale Seiten. Kurz zuvor noch habe ich in “Americana” weitergelesen, aber dann keine Lust mehr gehabt, das Kapitel hatte mich anscheinend kurzzeitig entfremdet vom Buch, aber das muss nichts bedeuten, das ist NORMAL, ich hatte nur das Gefühl, speziell in diesem Kapitel einem Schriftsteller beim Schreiben zuzuschauen, und nicht selbst ein Buch zu lesen. Zwischendurch sah ich mal hoch, durchs Fenster, immer dann, wenn der Text direkt durch die Augen in die Wand hinter mir ging, um dort unprozessiert zu zerschellen. Am Himmel eine Formation von Vögeln, die einzeln jeweils unregelmäßig im Kreis flogen, aber alle zusammen regelmäßig im Kreis. Auch keine Lust in “Hitch 22″ weiterzulesen, das ich vor ein paar Tagen begonnen hatte. Ich las ein paar Zeilen des Stücks “Die Schwärmer” von Musil, aber ohne ernsthafte Absichten. Zurück in die Bibliothek, option paralysis. Ab und zu liest man, dass historische Persönlichkeiten die option paralysis vermieden haben, indem sie zB immer dieselbe Kleidung trugen, oder bestimmte Abläufe im Alltag immer gleich hielten, ein solides Protokoll. Heute ist option paralysis ein Posten im Internet. Wenn Freunde mir Serien empfehlen, dann tue ich mich schwer damit, weil ich es eigentlich brauche, selbst auf die Dinge zu kommen. Von einem Punkt aus zum nächsten. Der Startscreen von Netflix ist ein philosophisches Problem.

Das Problem von Too Old to Die Young von Nicolas Winding Refn ist ein zu dogmatischer Glaube (festhalten an schlecht Begründetem) an das Bild und den Stil allein, bzw. der Glaube, Stil bedeute formale unerweiterte Wiederholung. Refn’s Neon-Schtick und der Effekt, wie hier Langsamkeit verramscht wird, machen den Regisseur, den Macher dahinter etwas zu sichtbar, und wer 2 oder 3 Filme von Refn gesehen hat, weiß genau, was das bedeutet. Er kann es auch durch exzentrische Dialoge nicht auflösen, weil er keine Dialoge schreiben kann, er ist nicht Tarantino oder Solondz, oder Jerry Stahl, und ich glaube, er findet sich ein bisschen zu geil. Langsamkeit richtig: Escape at Dannemora, mit Benicio Del Toro und Paul Dano, von, wer hätte das gedacht: Ben Stiller. 

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