So, 27.10.2019

DOLPHINS ON DISCOVERY CHANNEL

Ich saß beim Thai und aß grade meine Nr. 98, die diesmal besonders gut gelungen schien, und las bei Brad Phillips die Stelle, an der er von Danny schreibt, dem analphabetischen Hafenarbeiter mit dem Papagei namens Fucker. Brad lernte Danny, so die Geschichte, in der Entziehung kennen. Danny hatte eines Morgens im Crackrausch dem krähenden Hahn der chinesischen Familie in seiner, Danny’s, Nachbarschaft mit einem Aluminium-Baseballschläger den Kopf abgeschlagen. Danny war dazu nackt, mit Rum-Cola und Baseballschläger, die Straße runter gerannt, nachdem der Hahn gerade dann zu Krähen begann, als Danny nach harter Schicht in den Schlaf fand. Das war schon so oft passiert, und an diesem Morgen entschied Danny, dass nun zu handeln war. Danny bekam fortan an Weihnachten immer anonyme Post, und es stellte sich raus, dass sich die gesamte Nachbarschaft bei ihm bedankte, dass er den Hahn beseitigt hatte.

Beim Essen der Nr. 98 musste ich dementsprechend aufpassen, dass ich mich nicht verschluckte, weil ich ständig lachen musste, die Story war so brutal komisch und trocken aufgeschrieben.
Vom Buch blickte ich kurz auf, direkt auf das exakt gleiche großformatige, nächtliche Panoramafoto der Stadt, in der ich lebe, wie ich es zwei Tage zuvor woanders gesehen hatte, in der Pizzeria Piccolo. Dort hing das Foto, dessen Format ich auf 80 mal 100 Zentimeter schätzte, sogar gleich zweimal, an gegenüberliegenden Wänden. In der Pizzeria sah ich mir das Foto gut an, weil selbst bei genauerem Hinsehen für mich nicht völlig klar wurde, aus welchem Jahr diese Aufnahme stammte. Keine Zeit war dem Bild wirklich zuzuordnen, und kein bauliches Detail, zumindest nicht für mich, war einer Zeit zuzuordnen. Auf dem Bild wirkte die nächtliche Stadt, zumindest der repräsentative Ausschnitt am Rheinufer, der hier den Motivvordergrund bildete, fast unheimlich aufgeräumt, leer, als hätten sich alle Menschen auf eine Weisung hin in einen anderen Teil der Dunkelheit zurückgezogen, und vorher noch alle Lichter angeschaltet, nur um mit diesem Foto einen Eindruck dieser Stadt in die Welt zu transportieren, den nicht mal seine Bewohner wirklich erkennen können. 

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