Unten, das Knallen der Haustüre, so laut wie Granateneinschläge. Man hört es mit den Knochen, und es ist anstrengend, weil man mich so zum Hass zwingt, wo ich doch grade mit Nichthassen beschäftigt war.
Im Innenhof, wo mein Atelier liegt, reißen Bauarbeiter den Boden auf, legen, wie ich später selbst sehe, Rohre mir unbekannter Funktion frei. Bevor sie anfangen wird erst mal direkt vor meiner Tür ein Radio positioniert, ein stoßfestes und klobiges Köfferchen, entweder eben für Baustellen oder besonders zerstörerische Knirpse bis 6 Jahre. Der Hersteller ahnt wohl, daß man dieses Scheißteil sofort zertrümmern will, wenn die JUNGS irgendeinen SWR 18 oder WDR 12 Mittagsterror herausblöken lassen, immer so laut, daß es die eigenen Arbeitsgeräusche übertönt, und ähnlich wie bei Hunden somit auch eine Art Revier abgesteckt wird: hier hat sich jetzt wirklich ALLES unserm shit unterzuordnen. Die Tatsache, daß ich selbst schon einen Podcast laufen habe, was sie auch hören, als sie ankommen, interessiert die Jungs nicht, sie walzen einfach drüber, so wie senile Greise einfach stur über Gesprochenes drüberlabern. Auch ein Weg zum Selbstverständnis. Ich gehe Kuchen essen und lese, dass Stephen Fry allergisch gegen Champagner ist.
Die Kanzlerin, in der Weltpresse zur schwächebedingt zitternden Frau degradiert. Irgendeine ARD-Redaktion arbeitet schon an der zweistündigen Sondersendung heute Abend, ein Arzt soll im Studio sagen, wie das jetzt alles einzuschätzen sei.
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