Mi, 15.05.2019

“Angefaßt das Ding.” Kempowski

Sonne. Lesen: MORGENS (weil ich neulich mit Thomas darüber redete: wann und wo man noch lesen kann, frei und offen und empfänglich, die Zeit findet, den Kopf nicht zugemüllt mit Tag). Die Fenster dreckig, silbern leuchten meine Fingerabdrücke. Ja, ich bin wohl hier in meiner Wohnung jederzeit als Täter zu überführen.

Frische Luft und das angenehme, weil nicht scharfkantige Geräusch der fahrbaren Rasenmäher (es ist ein an den Spitzen kupiertes Flappern, würde ich sagen), die hier jetzt grade, paar hundert Meter weiter, auf den großen Wiesen zwischen den Ringstraßen, ihre Runden drehen, bringen Normalität rein. Und dann dieser Moment, wenn sie den Motor abstellen, diese Ruhe: immer neu und überraschend schön. 

Gestern die Meldung, irgendein Torero habe in der Arena dem bereits durchbohrten und daniederliegenden, sterbenden Stier die Tränen abgewischt, mit einem blütenweißen Tuch, und ich glaube, es stand da wirklich: dem vor Schmerzen weinenden Tier (mit dem den Hinweis, ob Tiere wirklich aus Schmerzempfinden weinten, sei wissenschaftlich uneindeutig).
Ein Bild für das Siglo do Oro, oder für jetzt.

Stunde Tischtennis mit Lukas, Michael und Bastian. Hellblauer Ball auf hellblauer Platte.

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