LADEGERÄT SCHIESST MANN AKKU INS HERZ
Freitagabend, nach O., sah ich im Vorbeigehen einen merkwürdigen Haufen. Ein Obdachloser hatte sich einen mannshohen Wall aus getrocknetem Laub aufgehäuft, im Garten des vollkommen runteren Hauses, an dem ich immer vorbeigehe. Sah seinen Anglerhut und die Partie bis zur Nase sich dahinter bewegen.
Gestern vormittag wiederum ging ich grade ums Eck, als dort am Eingang zur U-Bahn ein Junkie/Alki, leicht geneigt stehend, gnadenlos hinschiss. Seine Scheiße war weich und schaumig und orange, wie ein Kürbis. Er hatte dabei eine Sonnenbrille auf. Vielleicht fällt es einem dann leichter. Ich brauchte ein paar Sekunden – ob ich das wirklich jetzt gesehen hatte, der Tag war noch so zart.
Ob es als Statement gemeint war, sich grade diese Stelle auszusuchen? Hinter ihm lag der ganze Park, Dutzende Gebüsche, die er hätte zuscheissen können. Man sollte die Beweggründe von Junkies vielleicht nicht verkomplizieren. Zu all dem blieb der Göddertz-Brunnen stumm. Ist seit Freitag, glaube ich, abgestellt.
Unter der Woche gab die von mir so genannte französische Party-WG wieder Gas, rumschreien und einfach gut die Musik durchpumpen, weit nach Mitternacht. Gleichzeitig begann die Frau von zwei Stockwerke unter mir, wieder hemmungslos zu singen, das Getrampel gibt es gratis dazu. Musste lachen, weil ich dachte: das kann jetzt nicht sein, oder? Stellt euch doch mal alle in eine Reihe, dann braucht man nur eine Kugel. Vielleicht reicht es auch einfach jetzt, mit mir und der Straße hier. Wie können Leute so asozial PRÄSENT sein? Wo ist denn hier der Blockwart, über den man sich sonst lustig macht, der jetzt aber die Bullen ruft, um ein paar Sympathiepunkte zu sammeln? When you are engulfed in flames.
Ein schönes Geräusch, in dem Leben liegt: in nicht zu bestimmender Ferne das Flappen eines Hubschraubers
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