Vorletzte Woche, da wurden die Bäume in der Straße hier beschnitten. An den Ästen jetzt helle Punkte, Amputationsstellen. Durch die frisch geputzten Fenster flackern Schatten auf Fensterbank und Wand, die aussehen wie eines dieser Tarnnetze, die man über Panzer wirft.
Nach der Arbeit gestern rief ich meine Mutter an, um zu hören, ob es ihr gut geht, oder weil ich irgendwie merkte, das irgendwas war. Ich weiß, daß meine Mutter Dinge vor mir verheimlicht, weil sie mir keine Umstände machen möchte, oder nicht will, daß ich mir Sorgen mache. Ich weiß es so genau, weil ich auch so bin. Sie erzählt mir schließlich, daß sie eine, für die Verhältnisse meiner Eltern, recht hohe Summe an Steuern nachzuzahlen hätten. Es hinge wohl mit der Abfindung meines Vaters zusammen, der letztes Jahr in Rente ging. Ich frage nach, wie viel es ist. Dann frage ich, ob ich irgendetwas tun könne, und in dem Moment weiß ich selbst nicht einmal, was ich damit meine, oder was ich tun könnte. Ich hatte das Gefühl, ich müsse das jetzt einfach sagen, und auch meinen, und dann würde ich mir etwas einfallen lassen, irgendeinen Weg, um an Geld zu kommen. Ich merke, wie die Stimme meiner Mutter weich und dunkel wird. Ich weiß, das meine Mutter mich sehr liebt, und ich liebe sie auch, weil sie immer alles für mich getan hat, und tun würde. Ich darf darüber gar nicht so lange nachdenken, weil es mir zu viel ist, es wiegt Tonnen und ich liege unten. Es führt unweigerlich dazu, daß ich mich wie ein fundamentaler Verlierer fühle, weil ich jetzt 34 bin, lächerlich wenig Geld verdiene, trotzdem viel arbeite, das Gefühl habe, meinen Eltern absolut nichts bieten zu können, nicht mal so profane Hilfe wie: Geld. Deswegen habe ich Schuldgefühle und ich schäme mich natürlich auch. Es fällt mir schwer, Relativierung zu finden in etwas. Ich bin kaum optimistisch. Über die Zukunft weiß man nichts.
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