Freitag, 27. Mai 2016

Jutta Speidel (62) sagt, ein One-Night-Stand müsse “gut gemacht sein”. Ob sie damit meint, der Typ müsse gut “gemacht” sein oder der ganze zweckgebundene Abend müsse “gut gemacht” sein, sagt sie nicht. Isa Genzken (67) sagt, dass Gerhard Richter nicht lange brauche, um Pilze im Wald zu finden, und David Hammons (73) wiederum sagt, Miles Davis habe gesagt, “Jazz” sei nur ein anderes Wort für “Nigger”, und bei alldem ist es manchmal schwer, sich mit dem zu beschäftigen, was man selbst gesagt hat, oder noch sagen kann. Tage gibt es, das sage ich fast nichts, zu niemandem, höchstens ein Gruß, vielleicht zu einem Hund auf der anderen Straßenseite, gestern war das so, ich grüßte einen Hund, und der, bildete ich mir ein, nickte kurz zurückgrüßend mit dem Köpfchen, so, wie sich zwei Busfahrer grüßen, in zwei entgegenkommenden Bussen. Ein fließendes Grüßen, das den Betrieb nicht unterbricht, sondern den Gruß zum Teil dessen macht. Hin und wieder wurde mir per Kurzmitteilungsdienst die Verachtung derer angetragen, die es mir übel nahmen, dass ich am Feiertag im Atelier arbeitete und nicht Bier soff in der Sonne. Spät am Nachmittag aß ich einen Salat bei dem kleinen marrokanischen Laden, den ich schon jetzt sehr mag. Möhren, Rote Beete, Erbsen, Gurken, Tomaten, Koriander, Zitrone – Gott lohne die maghrebinische Klarheit. 

Die obersten Blätter von Codiaeum variegata sind lichtbeschienen fast bananengelb, das wenige, fleckige Grün wirkt wie draufgesprayed, die anderen Blätter darunter sehen aus wie große Mangoldblätter, die hohen Eschen in der Straße stehen voll in Blüte.

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