Mittwoch, 01.Oktober
Der Himmel im Spätseptember: mürbe machend, scheisse, deutschgrau – ich stehe trotzdem auf. Im Zug kann ich mich nicht auf das Buch konzentrieren, und das Volk macht sich immer noch lustig über Durchsagen in breitem Sächsisch. Zweitausendvierzehn ist das Jahr. Dann sehe ich ein hübsches iranisches Mädchen und beobachte sie ein bisschen. Sie ist zu jung. Ich werde alt.
Am Hauptbahnhof trinke ich einen Kaffee, gucke dabei enthirnt in den laufenden Fernseher und merke gar nicht, dass ich einem afrikanischen Baby beim Verhungern zuschaue. Der zierliche Thailänder, der hier höchst gay aber autoritär das Sagen hat, fragt plötzlich laut, wem denn “die Tasche da gehört”, “Terroristen überall” sagt seine russische Kollegin, ein Typ in Signalweste, der an seinem Handy hängt, gibt sich als Besitzer zu erkennen.
Rechtschreibfehler auf N24, warm, 22 Grad, sieht nach Regen aus, um 19.15 Uhr geht die Sonne unter, nicht nur die Wüste breitet sich aus, auch die Dunkelheit, “DAX setzt Talfahrt fort”.
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