Freitag, 05. September

Der Architekt hatte an alles gedacht: das ganze Haus in Rohbeton, weiss gestrichen, der Boden Holz, nicht zu dunkel, nicht zu hell. Kabel liegen frei auf glänzenden Kabelbrücken, daneben Kilometer silberner Rohre, Strecken, Wege, Durchgänge.

Überall, in den langen, schlauchartigen Gängen, im Untergeschoss, wo die Handwerker arbeiteten, im Obergeschoss, wo die Verwaltung sitzt, diese warme, nach Beton duftende Luft, der Sound einer Lüftung, der aus poliertem Aluminium herausfranst. Keine Fenster, kalkulierte Helligkeit, man weiss nicht: macht es extra müde oder hält es niedrig wach.

Es ist der Geruch einer Hyperneutralität, wie ein Unterstrich/oder Klammern: Arbeiten, Künstliches Licht, Meetings, Besprechungen, das Offizielle, der Umgang der Menschen miteinander, als “Kollegen”, Weihnachtsfeiern, Geburtstage, sinnlos schweigend in Kochnischen herumstehen, soziale Täuschung, gesellschaftliche Pflichtübungen, Blicke, Diskretionen, Sektgläser festhalten wie einen Glauben. Der Geruch provoziert das ferne Phantasma der Privatheit. 

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