• Montag, 19.10.2020

    VITRUVIANER

    09:23h. Das Wort “Theatermann”. Ich les es grad hier über Matthias Lilienthal, ja, den “Theatermann”, und spüre auch direkt schon wieder die Ablehnung, die Sprache eben auch erzeugt. Nur am Theater gibt’s den “Theatermann”. In der Kunst gibt’s nicht den “Kunstmann”, oder im Film den “Filmmann”, weswegen beim deutschen Theater noch diese Ever-Brechtsche Note, so ein Schinkenbrotvibe reinmuss, und am Ende hat man einen “Theatermann”, und das sind so etwas zauselige und demonstrativ uneitle Typen, die was auf die “Bühne bringen”. Entschuldigung, ich mein’s gar nicht so böse, aber es ist eben sehr auffällig, wie solche Begriffe in den Sublevel aufgeladen sind. Ich wollte ja eigentlich zum Althen-Preis lesen, da kommt mir der Text von Peter Richter entgegen, über den mir seinerzeit Friederike schon was gesagt hatte, ich selbst hatte den dann aber nie gelesen. Jetzt interessiert mich natürlich total, was Richter da über Richter schreibt, nicht der Richter, der andere, genau. An der Paywall stupps ich an, aua. Ich kann aber die ersten Zeilen unter einem natürlich ziemlich gestellten Schwarzweissfoto lesen, wo man auch wieder sieht, dass Daniel Richters Körper selbst noch im STILLEN POSIEREN bisschen zu viel quatscht, sein Körper allein auf der Abbildung. Text darunter: Wie Leonardo da Vincis »Vitruvianischer Mensch« kann Richter mit seinen Extremitäten jeden Winkel der Leinwand im Prinzip aus dem Stand erreichen. Wieder aua.

  • Donnerstag, 15.10.2020

    FAUCHEN 3000

    Der Deutsche Buchpreis, einfach so vergeben, ja, den GIBT es auch noch, der ist der Kulturnormalität geblieben. Und jeden Tag fällt mir auf, was es sonst noch so alles gibt. Es ist Oktober, die Temperaturen zwischen 11 und 13 Grad, und das Licht nimmt beständig ab. Bald schon verdampfen uns die hellen Stunden in der Hand, und die langen Nächte beginnen. 

    Eine Frage, die mich zB beschäftigt: warum kommt mir die figurative Malerei wieder an einem brutalen Totpunkt angekommen? Sind all diese blaugrünen Traumlandschaften mit den in ihnen sich verlierenden kostümierten Figürchen, sind all diese Black Bodies auf Leinwänden in ihrer unfassbaren Masse nicht schon längst, innert kürzester Zeit, durch diese 2020hafte Anstrengungsmühle gedreht, zur absolut hohlen gestischen Performance mit der commodity painting als Produkt geworden? Wo ist denn die Sprache hin, wo sind denn die Titel hin, die vom gesellschaftlichen Mitgenommenwerden in die Gegenbewegung Kunst handeln. Ich verstehe nicht, warum die Verblödung so früh einsetzt. Ok, das kann man jetzt nicht klären, ich muss heute eine weitere Schicht Klarlack auf die Styroporbox auftragen.

    As shelter-in-place orders quieted the city of San Francisco

    its sparrow population

    developed softer, sexier songs.

  • Dienstag, 13.10.2020

    DIE VERDAMMUNG DE CHIRICOS DURCH BRETON NACH 1919

    Auch genervt, ja. Trost und den Eindruck von Zivilisation hol ich mir beim Kleidung in die Reinigung bringen. Dort zischt es und faucht es und es wird keine Scheiße gelabert und auch nicht übermäßig gefühlt. Dort scheint alles möglich.