VITRUVIANER
09:23h. Das Wort “Theatermann”. Ich les es grad hier über Matthias Lilienthal, ja, den “Theatermann”, und spüre auch direkt schon wieder die Ablehnung, die Sprache eben auch erzeugt. Nur am Theater gibt’s den “Theatermann”. In der Kunst gibt’s nicht den “Kunstmann”, oder im Film den “Filmmann”, weswegen beim deutschen Theater noch diese Ever-Brechtsche Note, so ein Schinkenbrotvibe reinmuss, und am Ende hat man einen “Theatermann”, und das sind so etwas zauselige und demonstrativ uneitle Typen, die was auf die “Bühne bringen”. Entschuldigung, ich mein’s gar nicht so böse, aber es ist eben sehr auffällig, wie solche Begriffe in den Sublevel aufgeladen sind. Ich wollte ja eigentlich zum Althen-Preis lesen, da kommt mir der Text von Peter Richter entgegen, über den mir seinerzeit Friederike schon was gesagt hatte, ich selbst hatte den dann aber nie gelesen. Jetzt interessiert mich natürlich total, was Richter da über Richter schreibt, nicht der Richter, der andere, genau. An der Paywall stupps ich an, aua. Ich kann aber die ersten Zeilen unter einem natürlich ziemlich gestellten Schwarzweissfoto lesen, wo man auch wieder sieht, dass Daniel Richters Körper selbst noch im STILLEN POSIEREN bisschen zu viel quatscht, sein Körper allein auf der Abbildung. Text darunter: Wie Leonardo da Vincis »Vitruvianischer Mensch« kann Richter mit seinen Extremitäten jeden Winkel der Leinwand im Prinzip aus dem Stand erreichen. Wieder aua.