“Rekord bei Tötungsdelikten mit Messer-Einsatz”, formuliert der Express die neue Kriminalstatistik der Stadt, in der ich lebe. Hinter uns liegt der mit Abstand wärmste Februar seit Aufzeichnung der Wetterdaten. Die Tage werden länger, die Morgen freundlicher und heller. Zumindest bis zu dem Punkt, an dem ich das volle Bewusstsein erlangt habe. Und here it comes schon: Grade wieder das Gefühl, diversen Freundschaften und Angelegenheiten nicht gerecht zu werden: soll ich mit dem einen am Samstag nach Krefeld zum Geburtstag, was machen mit der Yamaha-Orgel, muss ich nicht A. schon längst zum Essen eingeladen haben, mich ständig bei Leuten melden, dass ich lebe, dass Interesse da ist, goodwill, sollte ich nicht schon längst nach Toronto zu M. geflogen sein, gar einen langen Text geschrieben haben, am besten gleich mehrere, “Literatur”, Texte zu meiner eigenen Arbeit, Tagebuch – Ende April Bewerbungsfrist für das städtische Stipendium, Ende März kommt die Zweitprüferin zurück ins Land, bis dahin Email, Webseite aktualisieren, Abschluss machen – kann ich das alles schaffen, kann ich das jetzt noch schaffen, wo es sich schon scheinbar unüberwindbar vor mir aufbaut, Wohnung suchen, Wohnung finden, ausziehen, Nachmieter, neuer Job, Geld, den Tisch für die Eltern bauen, die Bilder aus der Galerie abholen, lagern, wo sind die Ausstellungen für dieses Jahr?, bin ich zu unsichtbar?, Publikation machen bzw. anfangen, warum sagt W. mir seit weit über einem halben Jahr, er schreibt mir diesen Text, er wisse schon, was er schreiben wolle, und was ich bis heute nicht habe, ist ein Text? Ist das persönlich gegen mich gerichtet? Ich hasse das. Ich hasse das, weil ich genau weiß, W. würde das für A. oder B. (”Ich liebe Bücher” klar liebst du Bücher, aber warum sind deine Bücher so scheiße boring und gewöhnlich, try harder then) sofort tun, ich hasse das, weil sich die Leute ständig immer nur Zeug zuquatschen, sich selbst produzieren und einfach immer weiterquatschen nach dem Gusto des jeweils anderen und das Internet vollmüllen mit ihren lachenden Gesichtern und todpeinlichen Fotodokumenten samt eitler Selbstrede, dass sie sich morgen doch noch erinnern mögen, wo sie gestern waren und ihre Texte aufgesagt haben, diese ewig gleichen Versatzstücke aus dem ewiggleichen Zeug, Kunstbetrieb, Ausstellungen, das Interessante ist so rar und so selten, und wenn es da ist, ist es den Leuten zu nahe an ihnen selbst und man geht zurück zum Gestischen, zum Copycat-Getue und zum Zusammengerotte, alle zusammen gebeugt übers gleiche warme Feuerchen, schön schön ach ach…. say the darndest things
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