Die Katze setzt sich mitten in die Spüle und leckt die Tropfen, die aus dem Hahn herabfallen. Über zehn Jahre war ich nicht mehr in Prenzlauer Berg gewesen. Ich steige an der Schönhauser aus. Die Ladenlokale haben jetzt alle neue, anthrazitfarbene Fensterrahmen. Ich habe kaum Erinnerung an damals, es ist egal. Es ist weit über zehn Jahre her, daß ich mit Kasia und dem polnischen Kurierfahrer durch die Nacht nach Berlin fuhr, vom Kölner Hauptbahnhof aus. Es war Kasias Idee, S. zu überraschen, er hatte am nächsten Tag Geburtstag. Ich war bekifft und der Kurierfahrer fuhr wie ein gottloser Hurensohn, er hatte kein Gefühl für Beschleunigung und das Halten eines gemäßigten, gleichmäßigen Tempos, er fuhr ständig ekelhaft nah auf, bei Nacht, dann legte er sich voll ins Gaspedal, dann bremste er dümmlich, eine Katastrophe, so katastrophal, daß ich es heute noch weiß. Wir saßen zu dritt vorne, und ich konnte nicht wegdösen, weil immer in dem Moment, in dem sich die Muster auf den Augenlidern aufzulösen begannen und ich hinüberdriftete, rasten zwei verschwommene rotflammende Rücklichter auf mich zu. Heute weiß ich, daß ich damals ein bisschen verknallt war in Kasia, natürlich. Bei S. dann schliefen wir zu dritt in einem Zimmer. Ich auf der Matratze auf dem Boden, Kasia bei S. im Bett. Meine Dummheit, die an die Jugend gekoppelt war, schützte mich seinerzeit vor der Erkenntnis, wie deutlich mir da vorgeführt wurde, wie es aussieht.
Gestern Abend nicht zur Anne Imhoff Sache im Hamburger Bahnhof. Begründung: ich wollte in der Dämmerung sitzen und Campari Soda trinken und Frauen gucken, nicht Körpern dabei zusehen, wie sie der Kunst zusehen, während alle wissen, daß man einander dabei zusieht.
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