A Feeling für alle nicht gemachten Grobheiten
Die Stadt, in der man zu lange lebt, produziert ihre ganz eigene Form der Müdigkeit in einem, geht vom Asphalt über in die Füße, Knöchel und Knie, und manchmal glaube ich sogar, da ist anteilig Verlogenheit mit rein gearbeitet. Verlogen und vertraut west die Stadt um einen herum, alte Gebäude, neue Gebäude, und nur bestimmte Lichtsituationen können es möglich machen, die Stadt anders zu sehen, das Verlogene zu zerschlagen – Entschuldigung: in einem anderen Licht erscheinen lassen – das raffe ich hier grade wieder einmal.
Gestern bei der Eröffnung – die Ausstellung trägt den Titel We’re from the government and we’re here to help – ein kurzer Moment der Erkenntnis: all diese Gespräche, all das Soziale, das einem manchmal so viel gibt, in dem man wirklich nette und aufrichtige Menschen kennenlernen kann, sie wieder trifft, vor der Tür eine rauchen geht, man sich berührt am Arm, man sich mal richtig die Kleidung anschaut und sieht, welche Farben denn da sind. Diese schönen Momente des Zugangs. Meine schwedische Ex-Mitbewohnerin war Überraschungsgast, en svensk kvinna, und da war ich mal eben unmüde geworden. Der Notar trug wieder die Lederjacke und gibt gern die Story zum besten, wie wir uns kennengelernt haben, und es knallt immer rein.
Die Kämpfe bleiben heute draußen, das heißt: nee, die Kämpfe bitte nur auf Leinwand. Danke. Später, als man ging, ein laues Lüftchen in der Nacht.
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