Montag, 29. Mai 2017

Die massive, von Witterung und Verfall wie ein komplexes Dokument beschriebene Betonschale der Fernunterstützungsbatterie “Todt”, ehemals “Siegfried”, kauert wie eine blaugraue Spinne am Cap Griz-Nez. Die Sonne scheint. Dort, wo zu Kriegszeiten das zwanzig Meter lange Geschütz, diese riesige Kriegs-Erektion, installiert war, um tonnenschwere Geschosse über den Kanal hinweg auf Englands Küste abzufeuern, ist nun eine gläserne Front, eingefasst in grünen Stahl. Als wir die Kasematte verlassen und wieder ans Licht treten, klebt an uns die modrige Luft einer einbetonierten, todbringenden, deutschen Idee. Kanadische Truppen beendeten diese im September 1944. 

Die Sicht ist klar. Die Dünen sind unruhig. Gräser werden vom Wind in eine Richtung gekämmt. Die Landschaft, und das ist das Perverse an diesem Ding, ist so ungemein befriedend, erfüllend schön. Hier müssen also, zu irgendeiner Zeit in den frühen 40er Jahren, deutsche Offiziere aus ihren Fuhrwerken gestiegen sein, die Stiefel auf Sand und Gras gesetzt, die Türen zugeschlagen haben, während das sanfte Licht der Hauts auf ihre schwarzen Ledermäntel fiel. An diesem Tag lag das Meer nicht da, wie Nudeln aus Gold und Silber. 

Tschechenigel,
Rommelspargel,
Belgisches Tor. 

Ungefähr 73 Jahre später stehe ich, in rotem Flanellhemd und mit weißer Baseballcap der Detroit Tigers, sowie einem weichen Tennisball in der Hand, den ich ab und zu mit Mark hin- und herwerfe, davor, und habe Durst auf ein kühles Bier der Marke Pelforth oder Leffe. Überall ziehen glückliche kleine Hunde mit enormem Drang nach vorne, ja, hier in der Gegend scheint es nur glückliche Hunde zu geben. Gegenüber wird Golf gespielt. Wir fahren weiter nach Boulogne-sur-Mer.

Immer egaler das Leben, das ich zuhause führe. Ich könnte auch einfach alles absagen jetzt und hier bleiben, es ist doch scheißegal, die Leute reden, um zivilisiert zu klingen, aber es ist wirklich egal, und wenn man stirbt, ist man tot, und wenn ein anderer stirbt, ist ein anderer tot. Fun in the sun. 

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