UNDER THE SILVER LAKE
Sam, man könnte sagen: ein amerikanisch-faustischer Slacker Anfang 30 mit weicher Stimme, lebt in einem Apartment in Silver Lake, Los Angeles. Durch seine Jalousien sieht man Palmenblätter sachte von Wind bewegt. Manchmal beobachtet Sam, Zigarette rauchend, durch ein Fernglas seine Nachbarin, auf dem Balkon schräg gegenüber. Sie ist eine schlanke Frau um die 60 oder 70, die mit nackten Brüsten und einem aus ihrem Bewusstsein entspringenden Hippie-Trance-Lächeln ihren fünf oder sechs Vogelvolieren auf dem Balkon entgegen tanzt, bis sie wieder hinter einem Seidenvorhang im Innern ihrer Wohnung verschwindet. Was Sam sonst macht, weiß man nicht.
Überall ist Licht und Atmosphäre und die wunderschöne, symphonische Noir-Musik von Richard Vreeland zieht mich tief in den Film, passiert ist nicht viel. Nach zwölf Minuten denke ich das erste Mal an Hitchcock.
Und weiter? In großen schwarzen Buchstaben, gemalt auf die breite Fensterfront eines Diners, warnt jemand vor dem Dog Killer. Ein Milliardär verschwindet. Ein Stinktier entleert seine Analdrüsen auf Sam. Ein blondes Girl mit weißem Hündchen badet im Pool der Wohnanlage von Sam, und sie lernen sich kennen. Am nächsten Tag ist sie verschwunden, ihre Wohnung komplett leergeräumt, keine Spur, nichts. Sam entdeckt in einem Laden einen Comic, Under the Silverlake, und in diesem Comic spiegeln sich die Ereignisse der letzten Tage. Sam beschließt, den Comiczeichner zu kontaktieren, und von dort an zieht über dem Film eine spezielle Finsternis herauf, ein großer Schatten, dessen Hell-Dunkel-Grenze unwiderstehlich leuchtet, nostalgisch, komisch, zart, böse, albern und todernst.
Am Ende des Films gibt es keinen blauen Schlüssel, der auf einem Tisch liegt.
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