WT GÄSTELISTE
Berlin, 12:00h
Wie ich am lauen Mittwochabend auf einmal oben auf dem Dach eines Berliner Hauses am Moritzplatz stand und dann fällt einem dieser Film auf, der über den Köpfen der Menschen gezeigt wird: Abenddämmerung. Ganz still ist der und natürlich – wie immer – brutal schön und die Wiederholung möchte ich auch unbedingt sehen. Am Geländer, ein wenig abgeschlafft: ein blau leuchtender LED-Ballon. Und diese Gefühle alle. Und dann vergißt man alles, bis zum nächsten Mal.
Dann ging man – gleich wieder da! – kurz ins Drogenzimmer um unter der Aufsicht von Ärzten und bei ausgeschaltetem Licht, LOL, die Droge der Wahl zu sich zu nehmen, und was folgten, waren schöne, schnelle Stunden, in denen ich mir selbst eine kleine Aufgabe auferlegte, um auch mit der ganzen Energie klarzukommen: Drinks besorgen, für die anderen. People love that, echte Dankbarkeit in ihren verengten Blicken, und für süße Frauen eh SUPERGERNE. Auf diesem Wege läßt sich auch ganz gut das personelle Ausmaß der Party überblicken, Zuordnungen machen. Treffe Timo, der geht im April für drei Monate nach Kyoto: Glückwunsch, Freude! Kurzes Gespräch über unsern Beruf, über unsern alten Prof. Dann war da noch diese blonde Amerikanerin, aus Albany, NY. Albany River Rats dachte ich, und sagte das auch laut, was keiner verstand. Dann Marylin oder Mary Lynn, ihre Zähnchen haben es mir irgendwie angetan, ich kann mich nur noch an ihren Mund erinnern, wenn die Schneidezähne so ein wenig vorstehen, keine Ahnung, das scheint so ein Ding von mir zu sein. S. trug den neuen gelben Pulli, sehr gute Farbe für ihre Haare und Augen, und die kurzen Ärmel des Pullis betonen irgendwie ihren Hals. Mein Hauptberuf ist ja SEHEN. Klar seh ich Isa Genzken, die steht doch da. Und das, das war doch Frau Koether?
Einmal benutzte ich den kleinen Bambusverschlag mit Pinkelrinne, der extra angelegt worden war. Ein schönes Gefühl, pissend auf einem Dach, der noch halbvolle Drink steht sicher abgestellt im Waschbecken. Der Abend versank dann in Zigaretten und Gin Tonics und Spekulationen über Titten und das Kuratieren.
Die folgenden, naßgeregneten Tage.
Am Freitag fiel im Medizinhistorischen Museum der schöne Satz: “die Moulagen wurden damals vor allem von armen Künstlern angefertigt, die Geld brauchten” Ja klar, glaub’ ich sofort
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