• Samstag, 13.03.2021

    FRESH CONFUSION UMWELT

    Wieder Sturm. Vom anschwellenden Rauschen eines Hagelschauers in die Realität geholt, noch während ich den Blick zum Fenster drehte. Über mir die Dachterrasse des Hausmeisters, auf der durch die Böen massive Gegenstände bewegt werden, metallisches Klonken und stumpfes Rumpeln, ich wohne unter Dr. Strangelove’s fucking Labor, unter mir wohnt Familie Waschmaschine, darunter die kranke Tramplerin. Das ist ja das Prinzip der Herrschenden: dass sich “das Volk” gegenseitig quält und foltert. Schlau.

    Leider hat Ihre Bewerbung bei dieser Prüfung keine Mehrheit gefunden.

    Den neuen Kracht durch. Ich glaube: wie eigentlich noch nie so konkret und deutlich spürbar vorher, hatte ich das Gefühl, dass ab einer GANZ BESTIMMTEN Stelle das Buch wirklich vollkommen ausläuft, wegbricht wie so ein Gletscherbrocken, auf dem man kurz vorher noch solide gestanden hatte. Und mit diesem Eindruck wich aus mir, wirklich von jetzt auf gleich, jegliche Luft für dieses Buch aus meinem Körper und Geist, und ich dachte, was ist denn hier los jetzt. Das Sträuben stieg wie Bitcoin. Als hätten Wochen oder Monate zwischen dem Schreiben dieser Passagen gelegen, in denen irgendwas passiert sein musste, was den Kracht, den Kracht, der schreibt, nicht den, den man im Buch begleitet, irgendwie – ja was? Im Interwebs hatte ich gesehen, wie Clemens Setz und andere es in den höchsten Tönen lobten. Ich würde ja gerne nicht nörgeln, aber ich habe LEIDER keinen freien Willen.

    Mein Anwalt schreibt, echt cute, er habe von mir geträumt, wie ich, noch im Plattenladen arbeitend, eine Marvin Gaye Platte habe laufen lassen, und dieser Vision folgend, sei er nun heute Mittag losgezogen, sich eine Marvin Gaye Platte zu kaufen, und sendete anbei das Foto der Platte, noch mit dem Preisschild drauf. Flowers should grow, Bells should be ringing. Zärtliche Männer.

  • Donnerstag, 11.03.2021

    IM MEDIENVERBUND

    Ein Sturm soll aufziehen, heute, hier, in diesen Landen, und schon gestern Nacht, als ich nach 120 Seiten Eurotrash das berühmte Licht ausknipste, rauschte draußen der Regen, vom Wind wie kleine knisternde Perlen umhergeschleudert. Dieses Geräusch, wenn der Regen kaskadenartig herabfällt – als hätte jemand den Sound tausender im Gleichschritt marschierender Wehrmachtstruppen, wie man es aus Weltkriegsdokus kennt, ein bisschen hochgepitcht.

    take my head
    and mike my brain

    Das Buch selbst, Eurotrash, gefiel mir bis zu dieser Stelle hin recht gut, aber jetzt, so kommts mir vor, nimmt das Buch eine Wendung, die ich, glaube ich, leider s c h a d e finde, weil es…. okay, aber erst zu Ende lesen, ich will nicht zu schnell urteilen, will mich lieber noch etwas ausliefern. Von der Gestaltung des Buches bin ich jedoch “enttäuscht” (Sandro Wagner), wobei der Schriftsatz in der Perpetua super aussieht.

    Er ist der
    international
    erfolgreichste
    deutsche Maler

  • Dienstag, 09.03.2021

    DARKNESS LOOMING, NFTs BOOMING

    Ja, okay, ich bin ein bisschen erleichtert, dass Friederike es in ihrem Eintrag hingeschrieben hat: anstrengend. Nicht schlimm jetzt, klar, es liegt ja an mir, zb das Telefon nicht zu oft zu benutzen, um sich den ganzen content “zu geben”, das ganze “Signalverstärke” (Kittler), aber dieses Überperformative, der aufdringliche Dauersymbolismus, der in die täglichen, medialen Versorgungsketten reingepowert wird, und dieser Effekt von Exklamationsverausgabung, den man bildlich beimischt, ist halt wirklich anstrengend als Schleife, als Loop. Es entsteht keine Konstante, nur peaks und lows. Es ist ja dann doch, neben dem wuchtigen politischen Moment, auch ein ästhetischer, über den die Botschaft sozusagen beworben wird, ein Erkennen. Und was ich sehe, wenn sich die Pulks und Grüppchen mit ihren Schildern und Slogans hinstellen, die Münder zum Triumphschrei aufgerissen, wie bei jubelnden Fußballern, als Standbild auch noch irgendwie “statuisiert”, dann kann ich nicht umhin, eigentlich, vielleicht irrationalerweise, das Individium zu sehen, jeden Einzelnen in seinem Sozial- und Wirkungsdrang, dem kleinen ICH dahinter, das sich aus empfundener Minderwertigkeit erhebt und sich dem Cosplay der Macht hingibt. Ok, aber vielleicht raffe ich es auch einfach nicht, vielleicht MUSS man es so machen, und ich bin selbst zu individuell versaut für den Ruck, der durch Deutschland…

    Schönes Telefonat mit H. in die Schweiz. Die großen Gefühle: eines davon ist ja, sich noch in etwas Formloses zu stürzen, mit den Eimern voll.

    Und M. hat Albert Oehlen getroffen, auch das ist schön. Schon lustig, die Nähe zu manchen Planeten, die man unendlich entfernt glaubt.

    I wish them well