• Montag, 01.02.2021

    KAMPEN, DEN 21. JUNI

    01.01.2021-11.01.2021-12.01.2021-20.01.2021-21.01.2021-22.01.2021-02.02.2021 usw. Und so fühlt es sich auch an.

    Heute vollkommen indifferent, matt, leer. Nicht schlimm, aber leer. Im Bett liegen, weil ich keine Couch habe, und nicht NICHTS tun, sondern LESEN. Früher war Lesen mal eine Tätigkeit, keine Ahnung, wie das heutzutage bewertet wird. Aus Lust bisschen im Raddatz-Tagebuch, entstaubt. Drin steckte als Lesezeichen eine Postkarte mit einer Zeichnung von Thomas Schütte vorne drauf, aus der Serie “Depri Notes”, zwei gelbe Kissen, darunter in Bleistift Nett im Bett. Sag ich ja.

    Nach fast einem Jahr der Abgeriegeltheit ist das Raddatz-Tagebuch wie Fremdmaterie, seine Berichte wie noch glühende Kometstücke, abgeschleudert aus anderer Zeit und Welt, und das Glühen ist der irritierendste Teil. Man kann diese Zeit und Welt sogar noch erkennen, sie hängt wie ein Schemen, ein von unbestimmter Distanz eingeschwärzter Mond noch sichtbar und schwer in der Sphäre, über dem Land, über dem Wetter, über uns allen. Eine Zeit und Welt, in der sich Menschen begegneten.

    “Ich war in San Francisco, habe dort eine Oper geschrieben, bin dort in Ohnmacht gefallen, (…)”

    Das Raddatzsche Gespreize (”2 lustige Miszellen”) aus der Champagnerzeit: ich spüre einen generellen Mangel an und Sehnsucht nach Hedonismus (mit Bildung), nach Unterschied, nach Ungleichheit der individuellen Erfahrung nicht als Kampfbegriff, sondern als Qualität. Außerdem The Exorcist von William Peter Blatty begonnen, ich glaube, das wird mein Jahr der Genre-Literatur. Die Dämmerung ist jetzt da. Wie die Decke über der Voliere, die Vögel zu beruhigen.

  • Sonntag, 31.01.2021

    IM PALAST MEINES JUDOPARTNERS

    Kill the Poor singt der vielstimmige Chor der Hedge Funds-Supergroup “Market Instability”, aber nicht den Song der Dead Kennedys, sondern die eigene, die Wall Street-Version. Dabei verlässt hin und wieder eines der Bandmitglieder die Performance um vor einer Fernsehkamera von CNBC wie ein kleines Baby mit randvoller Windel bitterlich zu weinen. Tränen fallen auf ein Peloton-Workout-Bike, in die Rillen einer Patagonia Daunenweste. Anderswo entsteht bereits der nächste wegweisende Song für unsere Zeit, Titel: So frei ist der Markt nun auch wieder nicht.

    Es sind 3 Grad, die Sonne scheint.

  • Samstag, 30.01.2021

    10 HARTE WOCHEN

    “Vom risk reward schlecht”, so hier original der Muskelguy auf Youtube, sich auf eine Rückenübung beziehend, wobei ich eigentlich nur ein Aufbau-Video für die Klimmzugstange zu finden hoffte, ich suchte sozusagen HALT, haha, in der Realität anderer, jetzt mach es doch mal vor, Toni, wie man die Stange richtig aufbaut. Stattdessen: Latissimus. Okay, verstehe ich auch. In der Kommentarsektion des Sportvideos eine Ernsthaftigkeit, von der die gesellschaftspolitische Debatte nur hypersalivieren kann. Make peace with death before you die.

    10 Minuten vorher: Materialskepsis, als ich die ausgepackte Stange in den Händen hielt, und mir alles, wie fast immer, viel wackliger und “billiger” vorkommt, als ich es mir vorgestellt hatte. I was underwhelmed. Aber durchatmen, eins nach dem anderen, Ich gegen Ich, Folge 30, Staffel 39.

    20 Minuten später: Ich werde die Stange wieder retournieren, der souveräne Konsument hat gesprochen, und so wird es gemacht.

    Schönes Wort: Frauenknast.

    Ich hatte ja die Deutsche Bank für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, nachdem sie sich, lupenrein wie sie naturgemäß ist, so demonstrativ und heldenhaft von Trump losgesagt hatte, aber jetzt soll es Black Lives Matter bekommen, und das ist ja auch eine gute Zusammenfassung des allgemeinen Zustands.