KAMPEN, DEN 21. JUNI
01.01.2021-11.01.2021-12.01.2021-20.01.2021-21.01.2021-22.01.2021-02.02.2021 usw. Und so fühlt es sich auch an.
Heute vollkommen indifferent, matt, leer. Nicht schlimm, aber leer. Im Bett liegen, weil ich keine Couch habe, und nicht NICHTS tun, sondern LESEN. Früher war Lesen mal eine Tätigkeit, keine Ahnung, wie das heutzutage bewertet wird. Aus Lust bisschen im Raddatz-Tagebuch, entstaubt. Drin steckte als Lesezeichen eine Postkarte mit einer Zeichnung von Thomas Schütte vorne drauf, aus der Serie “Depri Notes”, zwei gelbe Kissen, darunter in Bleistift Nett im Bett. Sag ich ja.
Nach fast einem Jahr der Abgeriegeltheit ist das Raddatz-Tagebuch wie Fremdmaterie, seine Berichte wie noch glühende Kometstücke, abgeschleudert aus anderer Zeit und Welt, und das Glühen ist der irritierendste Teil. Man kann diese Zeit und Welt sogar noch erkennen, sie hängt wie ein Schemen, ein von unbestimmter Distanz eingeschwärzter Mond noch sichtbar und schwer in der Sphäre, über dem Land, über dem Wetter, über uns allen. Eine Zeit und Welt, in der sich Menschen begegneten.
“Ich war in San Francisco, habe dort eine Oper geschrieben, bin dort in Ohnmacht gefallen, (…)”
Das Raddatzsche Gespreize (”2 lustige Miszellen”) aus der Champagnerzeit: ich spüre einen generellen Mangel an und Sehnsucht nach Hedonismus (mit Bildung), nach Unterschied, nach Ungleichheit der individuellen Erfahrung nicht als Kampfbegriff, sondern als Qualität. Außerdem The Exorcist von William Peter Blatty begonnen, ich glaube, das wird mein Jahr der Genre-Literatur. Die Dämmerung ist jetzt da. Wie die Decke über der Voliere, die Vögel zu beruhigen.