• Dienstag, 09.02.2021

    AMANDA GORMAN MIT EMOTIONALEM GEDICHT

    Die beruhigende Kraft des Films “Wall Street”. Dennoch – oder deswegen oder wie? – um halb Vier gingen meine Augen auf, war plötzlich wie wach. Draußen sah es nicht nach Nacht aus, aber so ähnlich. Fast anderthalb Stunden drehte und wendete ich mich im Bett, fand keinen Schlaf, auch kein Schnee war gefallen, die Dächer waren immernoch nicht weiß. Ich blieb liegen und wurde Zeuge von komischer Gehirnaktivität, und diese Zeugenschaft ließ ein Gefühl aufkommen, von dem ich mir sicher bin, dass es niemals altert oder sich entwickelt. Genauso fühlte es sich auch an, als Kind, mit offenen Augen in eine Nacht geworfen, völlig allein, überstill.

    I will frei sein – I will dabei sein

    Und dieses Bild trägt den Titel “Stellvertreterrache”

  • Sonntag, 07.02.2021

    THE FAKE SILENCE OF A LANDSCAPE

    Büro-Woche mit Wanderunterbrechung.

    Der geist- und körperintern vernommene Übergangspunkt, in dem Maße deutlich spürbar, wie er sich scheinbar unbemerkt ausbildet: wo man merkt, ob man jetzt wirklich nicht ins Atelier KANN, und wo eine gewisse Aktions- oder Ausführungs-Spannung steigt, eben durch diese Abwesenheit, sich jedoch noch nicht genug Kräfte angesammelt haben, für den release. Ein “formloses” Ziel, oder eher: eine Richtung. Ich vermeide das Wort “intuitiv”, weil ich glaube, es ist mehr als das. Intuition basiert mehr auf gesammelter Erfahrung, glaube ich. Aber da müsste ich vielleicht noch etwas mehr drüber…

    Wenn Trump smart ist, geht er bald in die Malerei. Das Prinzip George W. macht es vor: früher von allen fundamental gehasst, ist er jetzt ein freundlicher, zartgreiser Maler von Porträts, auf einer schönen Ranch in Texas. Die Leute lieben ihn und seine Harmlosigkeit heute. Reinvent, Queen.

    Wo eben noch Regen war, jetzt Schneeflocken wie in einem Magnetfeld.

  • Mittwoch, 03.02.2021

    DURCH DIE ELFRINGHAUSENER SCHWEIZ

    Raus aus der Stadt, in der man lebt, und auf keinen Fall sterben will, rein in den Zug, durch den Regen, mal eben nach woanders. Dann stand ich ein paar Minuten später vor dem Bahnhof des Zielorts, blickte in die sich vor mir öffnende Schneise zur Fußgängerzone dieser 160.000-Einwohner-Stadt, sah Figuren sich unter einem alles Leben absaugendem Grau bewegen und fühlte, logisch, eine ganz besondere, deutsche Beklommenheit sich durch mich durchbohren. Der kalte und dünne Regen beglaubigte all das. We should never live this way.

    Dann sah ich den silbernen Audi von Klaus, und ich stieg ein, wir waren zum Wandern durch die WÄLDER verabredet. Nachdem ich Hündchen “Tonki” kennenlernte, gingen wir los, durch tief vom Regen durchdrungene und aufgeplatze Landschaften, durch Morast und von Getier aufgewühlte Erde, über Stock und Stein, während sich Nebel vor das dunkle Grün schob. Moosflechten leuchteten fast neongrün auf dem glitschigen Gehölz. Bei schönem Wetter kann ja jeder, und das stimmte auch, denn wir begegnetem fast Niemandem in dieser schönen Landschaft. 19 Kilometer und viereinhalb Stunden später, zeigte Klaus mir noch etwas stolz den Zweitteich, in dem die von ihm geliebten Molche leben.

    Außerdem kam Post aus Aberdeen, von Eirik. Wie ist es da wohl, in Aberdeen?

    Heute morgen dann ein unrühmliches Telefonat mit Marc, der sich meine Luft anhören musste, die ich, als frustriertes Ventil, abließ. Aber ich kann nicht mehr zurückhalten, ich bin wütend und die Wut ist wie ein pinball, der durch mich durchtitscht, alle Organe berührt. Ich denke an meine eigene Zeichnung von vor ein paar Jahren: what is a man who stops venting his rage on paper?

    Hopkins schickte ein Buch: Hernan Diaz “In The Distance”