• Dienstag, 03.11.2020

    WAHRSCHEINLICH MENSCHLICHES VERSAGEN

    Sanfte Wintersonne am Morgen, fast Neune. Wieder gewinnt die sattgelbe Garderobe der Bäume den battle for eyeballs – einfach schön, befriedend, jeden Tag.

    Ein GANZ normaler Tag in der BuRe Deutschland also. Wahltag jedoch im liebsten shithole country, und in Wien war gestern Terror, wie ich jetzt hier lese, gestern hatte ich davon, tief eingegraben ins Atelier, nichts mitbekommen. Also unsere Jihadis haben sich da mal überlegt, daß man jetzt mal im Lockdown bisschen Terror [sic] machen könnte, Karneval ist ja abgesagt, okay, verstehe. 

    Mitch Hedberg meinte, Rollkragenpullover, das ist ein Gefühl, als würde man ständig von einem s e h r schwachen Mann gewürgt. So fühlt sich das Jahr an. Ich würde gerne ins Museum gehen, aus Lust, aus Trotz.

    Nicht Orwell, sondern Huxley, das sieht man doch, steht doch alles da.

    Hallo, wir sind die SCHUTTHAUFEN, und wir spielen jetzt live.

  • Sonntag, 01.11.2020

    TO SUSS OUT

    17:04h.

    Novembertime is here –

    Happiness and cheer –

    Ein grauer, wie steroid aufgepumpter Wolkenkörper fährt in Zeitlupe hinter den Bäumen und Häusern her, die ich von hier aus, der Westhovener Couch, sehen kann. Jetzt ist auch die Zeit, in der sich die Dunkelheit um alles hüllt, und man kann es mit den eigenen Augen sehen, wie sich der vollbewölkte Himmel zu einem Indigoblau verdunkelt, und wie das tosende Innere einer Welle aussieht. Wenige Minuten später sind auch die gelben Dahlien im Garten nun völlig von der Finsternis verschluckt, und dennoch: sie sind noch da, es muss so sein.

    Bruce Wagners Buch “Dead Stars” aus 2010 ist der ultrahysterische und vulgaristische Hollywood/Celebrity-Stream-of Consciousness-Wahnsinn als Literatur, ein literarischer Vorgriff (Perspektive 2010) auf die hero/victim Publicity und die strategische Härte und Erbarmungslosigkeit, mit der solche Karrieren aufgebaut werden, und dabei ist natürlich genau diese Härte, und die Unvorstellbarkeit des Verbal-Wahnsinns die man vielleicht für übertrieben hielte, das Realistische an diesem Buch. Zumal das Thema hier eben nicht theoretisch, nicht reflektiert, sondern durch das dirkete Gelaber angegangen wird, die Wörtlichkeit. Ungezügelte Gedanken und assoziative Hyperbeln aus dem Kopf der 13jährigen breast-cancer-survivorin Reeyonna, die hier mit ihrer Mutter, einer ehemals angesagten Künstlerin (und die für ihre Has-been-haftigkeit von ihrer Tochter verachtet wird) durch die ersten Kapitel hetzt, und dabei auf eine mit vier Jahren natürlich rekordverdächtig und beneidenswert NOCH jüngere breast-cancer-survivorin trifft, und die hatte sogar schon eine Vasektomie. Ich weiß, das liest sich brutal, ist es auch, dabei sehr sehr lustig und ich muss oft denken: so ein Buch, in Deutschland, niemals, leider.

  • Samstag, 31.10.2020

    THE WIND THAT SHAKES THE BARLEY (NICHT KATHARINA)

    Hundert Zeilen Hass über die politisierte Geste in/aus der Kunstwelt hier gelöscht, weil ich weiß, dass ich mich jetzt in die Diagnostik reinbeiße, wie Luis “Lucho” Suárez in die Schulter seiner Gegner. Ich kann schon, aber ich will das hier nicht stehen haben, diesen Batzen (berechtigter) schlechter Laune, die auch Trauer ist. Aber um es klar zu sagen: absoluter Ekel-Kitsch, zum Erbrechen schlimm und hohl. Die genetische Verwandtschaft des Narzissmus dieser Leute mit dem Narzissmus von Trump ist so atemberaubend offensichtlich und klar. It’s too close to home and it’s too near the bone. Die Zeit der Spiegelneuronen ist dunkel, der 31. Oktober aber hell, die Sonne bestreicht die hellgelben Blätter mit goldener Butter. Gestern auf der Straße 20 Euro gefunden.

    13:21h. New Jersey Named Most Hated State In America