• Dienstag, 23.06.2020

    NIX ZU WOLLEN, KEIN MENSCH DA

    Im Atelier die fast drei Stunden Wolfgang Welt vom Deutschlandfunk gehört, zu seinem Todestag neulich. Ein paar Liveausschnitte von einer Lesung von WoW, man erfährt leider nicht, von wann (oder ich habs verpasst), er liest hektisch, außer Atem, wie im Anrennen gegen einen Steilhang, gegen die brutale Pathologie, gegen die normalen Widerstände, wenn man keine Lobby hat und es irgendwie alleine versuchen will. In der Stimme diese schöne Ruhrgebiets-Würde, die ich echt gerne höre, und es sind eben auch SEINE Worte, und deshalb landet das. Er liest sich fast bewusstlos, geschrieben hat er sich verrückt, so war es wirklich. Vier Jahre tot also. Kurze Rückerinnerung, als ich mit Marc Degens und Hanna Engelmeier in Düsseldorf die Wow-Ausstellung besucht hatte, und warum ich so ein bisschen enttäuscht bin, von dem Deutschlandfunk-Feature. Ich wollte mehr. Vielleicht will ich zu viel.

    Draußen die Wirrnis. Ich versuche, über den Bahners-Text zu lesen, Twitter? keine Ahnung, irgendwo les ich ihn, in dem er versucht, in diesem Fall LEIDER in seiner Bahnershaftigkeit zu erklären, warum diese taz-Polizei-Satire doch “urkomisch” sei? Les ich das richtig? Ja, so ist das in Deutschland, dass man hier die gags, die nicht zünden, erklärt. Und da wir Juni 2020 haben, lese ich diese taz-Kolumne nicht, weil ich glaube, dass sie son bisschen diesen taz-Nervsound hat, Entschuldigung. Affektland BRD könnte mal bisschen in reflexiver Lähmung erstarren, alle mal bisschen die janzen Jefühle abschütteln.

    Bekomme kurz mit, dass die 80jährige Greisin den Bachmann-Preis bekommen hat? Ist das so? Das war doch die, die auch Friederike als Favoritin hatte? Dann ist es doch okay, oder. 

  • Donnerstag, 18.06.2020

    CREATE BOLDLY

    In der einen Ecke des Internets bedrängt mich ein demonstrativ guter, weißer und natürlich besessener junger Mann wegen der Sache der socio political revolution, aus einer anderen bekomme ich eine Anfrage für ein “Interview”, das in Wirklichkeit ein generisches Questionnaire ist, die Fragen sind zeittypisch unspezifisch und zielen eher auf eine kurze Identitätsbeschreibung und einen Vibe hin, denn wirklich auf meine sog. Arbeit und was das alles soll. Eines Morgens also fand sich Schorsch Samsa zu einer Gratis-Content-Maschine verwandelt wieder, bitte alles ausfüllen, und noch paar Megabyte an Bildern dazu, und dann über die “exposure” freuen und schön am Ausgang Danke sagen, ich sage: Danke am Ausgang. Papi ist im Netz, verschissene Welt.

    Nein, halt, so verschissen nicht, denn die Woche rast hier gut durch das Kalenderwochenraster, von Fleiss etwas abgemildert, und die Beschreibung durch die Zeit selbst ist im Privatbereich eher schön, denn in dieser Zeit ist auch L.

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    Auf der Kottbusser Straße eine alte Revlon Kampagne mit der, wie ich mir sicher bin, jungen Marisa Tomei? “Be glamorous” als Slogan heute undenkbar.

  • Sonntag, 14.06.2020

    VV-OHAYOU GOZAIMASU!!-VV

    18:25h. Dass es bei den “Deutschrömern” im Saal etwas finsterer werden würde, das war zu erwarten, aber SO finster… macht doch mal bisschen das Licht an? Nein? Ist eh zu spät. Diese deutsche Faszination mit der Dunkelheit, später, bei Caspar David Friedrich sieht man es auch, wie sich seine kleinen Figuren in DUNKELEINSAMKEIT in großen Flächen eben nicht verlieren, sondern in ihnen auf ewig umherwandern und -existieren, oder um sich von diesen Friedrichschen Universumriesenhaftigkeit-Szenarien, die er als Mondnächte und Seehimmel verkleidet, auf eben Lebensgröße zurechtmaßstaben zu lassen, damit man auch versteht, worum’s da geht. Den habe ich lange nicht begriffen, den Friedrich, jetzt finde ich ihn brutal gut.
    Hat eigentlich Heidegger mal irgendwas zu C.D. Friedrich gemeldet? Bei den Franzosen im Impressionistensaal ist es natürlich verlässlich geil, aber das weiß man schon länger, und diesmal geht der erste Preis folgerichtig an den riesigen Segantini im ersten Saal, “Rückkehr in die Heimat” von 1895, ein toter Knabe wird von seinen Eltern auf dem Karren durch den Oberengadin gefahren, begräbniswärts eben, ein Hund lugt durch die Speiche eines hinteren Wagenrads, über den hohen Bergen bei Majola glüht der Wolkenhimmel zartrosa, vorne alles braun und grün, umwerfend hinpointilliert das ganze Gefärbe. 125 Jahre Malerfreude. Der echte Berliner derweil nuschelt sich einen in den Mundschutz hinein. Jetzt hält jedoch jemand eine Graupappe hinter deutsche Landschaften, im Zug riecht die Luft anders als draußen, und kleine Tröpfchen Regen kleben schon an der Scheibe. Ein anderes Land irgendwie, als das, in dem ich eben noch, mit L., in heißer Sonne Unagi-Nigiri aß.

    Gestern hab ich mir mit ihr nochmal Under The Silver Lake angesehen. Dass den Film kaum einer kennt, ist auch so eine Sache. Ähnlich wie bei Mandy. Some people know what I’m talking about…