• Sonntag, 30.08.2020

    GIBT SEINE MENSCHENRECHTSPREISE ZURÜCK

    Bestürzt, bestürzt, es sind die Leute bestürzt wegen “der Sache vor dem Reichstag”, las ich heute Morgen, auf dem Monitor, und wenn

    – da schlug die Sonne eine Kerbe in den Himmel.

    Die intrinsische Uninteressantheit, die schon im WESEN dieser speziellen Berichterstattung über die Demonstrationen liegt, ist in einem Maße gleichbleibend, wie das nunmehr zu beobachtende Zusammentreffen scheinbar weit auseinander liegender politisch/ideologischer Neigungsgruppen (”Esoteriker, Verschwörungstheoretiker, Rechtsradikale”) folgerichtig ist. Irgendwo fällt ein hacky sack zu Boden.
    Meinerseits ganz ernsthaftes Nachdenken darüber, meine Idee für eine Novelle über eine Reihe starker weißer Yogafrauen wieder aufzugreifen, die sich zu einer neo-wedischen ultrarassistischen Sekte oder hartfundamentalistischen, jafetisch-feministischen faculta mystica zusammenradikalisieren, den Daughters of Noah, die fast die ganze Welt (auch Männer, klar) in ihren Bann ziehen mit auf Youtube verbreiteten, nur scheinbar harmlosen, aber mit geheimen “neo-arischen” Botschaften oder codes versehenen Instruction-Videos, optisch abgemildert mit schönen Topfpflanzen, angenehmen Farbpaletten und süßen Hunden, den Hass dann weitertreiben durch Selfie- oder hashtag-Kampagnen und Denunziationen, deren Ziel es ist, jedweden Kontakt in einen feindlichen umzuwandeln, die Erde in ein einziges Grab der Kulturen usw.
    Vielleicht sagt dann ja Katja Nicodemus im Deutschlandfunk, oder wo, dass diese Novelle zwar “ekelhaft” sei, aber immerhin die Frauenrolle nicht rückständig. Ich weiß es natürlich nicht.

    Robert Crumb Geburtstag, 77 Jahre.

  • Donnerstag, 27.08.2020

    TOULOUSE YOUR MIND

    Nahezu unspürbar, wie Zeit und Gedanken vergehen, wenn man das macht, was man am besten kann, und hinterher denkt man: ja, das ist das Gegenteil der Egalheit, der Leere, die man sonst so oft empfindet. Ideen kommen als sehr konkrete Vorstellungen, man weiß erst gar nicht WARUM, aber dann korrigiert man sich selbst: nicht WARUM ist die Frage, sondern NATÜRLICH die Antwort.

    Deutschland ergraut obenrum. Wind about town.

  • Montag, 24.08.2020

    WURDEMANN’S PFEFFERMINZGARNELE

    Am Dreieck Budapester Straße-Kurfürstenstraße-Nürnberger Straße stand früher das Hotel Eden, an der historischen Adresse Kurfürstendamm 246/24. In den Wohlgesinnten von Littell kommt das Hotel mehrmals vor, und kurz nach einem der zahlreichen nächtlichen Bombenangriffe der Engländer auf Berlin, findet Max Aue dort seinen neuen georgischen, aristokratischen Bekannten in den Ruinen saufend vor. Ich weiß nicht genau, wie ich es BESCHREIBEN soll, aber mich berührt es immer wieder auf diese unheimliche Art, wenn ich diese Querverbindungen machen kann, sie sich herstellen lassen, wenn ich an Orten bin, über die ich gerade, mehr oder weniger zufällig, auch lese, und speziell Berlin ist für mich, erfahrungsgemäß, diese begehbare deutsche Welt. Einschusslöcher in Stuckfassaden, das hundertjährige Braungrau der Häuser usw., fühle mich sehr deutsch dann, auf diese eine, nicht die andere Art. Ist nunmal so. Wüsste gerne, was das ist. 

    Gegenüber des nunmehr nicht existenten, historischen Hotel Eden ist der Eingang zum Aquarium. Die prächtigen, fetten Koi-Karpfen im Nishikoi-Becken, auf das man im Empfangsbereich direkt zuläuft, scheinen trotz des unglaublichen Lärms und des Gewusels um sie herum geradezu ausgelassen, gutgelaunt. Sie lassen sich streicheln wie Hunde.

    20:08h. Hier jetzt, zwischen Hannover und Luhmann-Stadt Bielefeld, silberne Wolken, von hinten gülden angestrahlt, a golden lining, wie bei Vallotton.