• Dienstag, 08.09.2020

    WEIL MAN VON DER KUNST INFORMATIONEN ÜBER DIE GEGENWART ERWARTET, ZU RECHT

    Mein Engelhoroskop
    kann mich reich machen

    Also, schöne Eröffnung war das, die Aufmerksamkeit, die Nüchternheit. Im wörtlichen Sinne sensationell nüchtern – man saß und stand ja da bei Tageslicht vor oder in der Galerie, oder sonstwo, alle schienen fast ein bisschen gierig nach zielgerichteter Konzentration, nach etwas anderem als der eigenen kleinen Welt (die sich ganz natürlich irgendwann als solche einstellt), nachdem wir uns alle jetzt monatelang weggeschlossen hatten und man so mit Fäustchen in der Tasche der neuen Diskursinfantilität ausgesetzt war, die manche, ich habs ja gesehen am Wochenende, richtig hungrig gemacht hatte auf den schönen Rübenacker des REALEN Erlebens, realen Sprechens, in einer echten physischen Gleichzeitigkeit, und man sah sich dabei sogar in die AUGEN. Wisst ihr noch, Augen, dem offiziellen und einzigen Outpost des Gehirns? Und jeder brachte seine mit.

    Für die Statistik: auffällig, wie vor allem, na eigentlich ausschließlich Frauen, zwischen 19 und 70, mir locker und aufrichtig interessiert Fragen stellten, zu Charles Manson, ja zu allem, was da ausgehangen und ausgelegt war. Männer fragen wenig, sie bewegen lieber die Hände irgendwie herum und nicken dann.

    Nochmal wegen Saufen: dadurch, dass dieses abendliche Bier-Wein-Ausgeschenke eigentlich komplett ausblieb, blieben auch diese ganzen traurigen Trink- und Schnorrrkreaturen weg, die man schon so von weitem heranschlaffen sieht, und die sich dann nur am Getränketisch kurz aufrichten. Auch super angenehm, dass einem diese ganzen Performances der Nacht erspart blieben. Vielleicht macht das ja die Seuche: eine Renaissance des TAGES.

  • Freitag, 04.09.2020

    POISED AND HARD, BUT DREAMING AND INNOCENT

    Etwas erleichtert aufgewacht. Irgendwann fand ich dann Schlaf. Es ist ja immer noch Seuchenzeit, darum sind hier persönliches Befinden und größere soziale Verantwortung in einem nicht pathetischen Maße gegeneinander abzuwägen usw., alles kein Witz auch, das ist es ja.

    Jogi Löw gestern als Mireille Mathieu an der Seitenlinie. Was geht mit ihm?

    Wetter: Craig Kupka – Crystals: New Music for Relaxation 2

  • Donnerstag, 03.09.2020

    512 GB SOLID STATE DRIVE

    Der Computer wieder. Er will sich endgültig zum Sterben zurückziehen, für immer nichts mehr anzeigen – okay, habe ich verstanden. Also das nervige Gefühl der zumeist ja eingebildeten Abhängigkeit von der Maschine abschütteln, und das nervige Nachschauen beginnen, im NETZ, was für einen neuen Computer man jetzt braucht. Computerkaufen ist nur noch Zynismus.

    Bei Eliot Weinberger lese ich Erstaunliches über die Diversity und Inclusiveness in der Administration von Präsident George Walker Bush. Hilft mir aber selbst grade nicht, ich habe brutale Halsschmerzen, wache mehrmals in der Nacht auf, weil ich kaum schlucken kann. Fühle mich alt, ausgebuht. In der Apotheke fand ich auch die schöne Apothekerin nicht mehr vor, wie lange war ich denn schon nicht mehr in der Apotheke gewesen? 

    Move freely

    Morgen Eröffnung also, und L. kommt morgen Abend auch. Hoffe, dass ich hier krankheitsmäßig nicht abgehe. Eben las ich im Bett, bei Littell, wie sich SS-Aue bei Fieber und Wahnträumen quält und sich kolikenbedingt ausscheißen muss, und so vergehen drei oder vier Tage. Ich fühlte mich, in der Differenz, etwas gesünder in diesem Moment. Und da blickte ich nicht unzufrieden auf, vom Bett, in die Wohnung hinein, die ich gestern aufgeräumt hatte, den Boden gewischt.