WEIL MAN VON DER KUNST INFORMATIONEN ÜBER DIE GEGENWART ERWARTET, ZU RECHT
Mein Engelhoroskop
kann mich reich machen
Also, schöne Eröffnung war das, die Aufmerksamkeit, die Nüchternheit. Im wörtlichen Sinne sensationell nüchtern – man saß und stand ja da bei Tageslicht vor oder in der Galerie, oder sonstwo, alle schienen fast ein bisschen gierig nach zielgerichteter Konzentration, nach etwas anderem als der eigenen kleinen Welt (die sich ganz natürlich irgendwann als solche einstellt), nachdem wir uns alle jetzt monatelang weggeschlossen hatten und man so mit Fäustchen in der Tasche der neuen Diskursinfantilität ausgesetzt war, die manche, ich habs ja gesehen am Wochenende, richtig hungrig gemacht hatte auf den schönen Rübenacker des REALEN Erlebens, realen Sprechens, in einer echten physischen Gleichzeitigkeit, und man sah sich dabei sogar in die AUGEN. Wisst ihr noch, Augen, dem offiziellen und einzigen Outpost des Gehirns? Und jeder brachte seine mit.
Für die Statistik: auffällig, wie vor allem, na eigentlich ausschließlich Frauen, zwischen 19 und 70, mir locker und aufrichtig interessiert Fragen stellten, zu Charles Manson, ja zu allem, was da ausgehangen und ausgelegt war. Männer fragen wenig, sie bewegen lieber die Hände irgendwie herum und nicken dann.
Nochmal wegen Saufen: dadurch, dass dieses abendliche Bier-Wein-Ausgeschenke eigentlich komplett ausblieb, blieben auch diese ganzen traurigen Trink- und Schnorrrkreaturen weg, die man schon so von weitem heranschlaffen sieht, und die sich dann nur am Getränketisch kurz aufrichten. Auch super angenehm, dass einem diese ganzen Performances der Nacht erspart blieben. Vielleicht macht das ja die Seuche: eine Renaissance des TAGES.