ZUMINDEST IN DER WAHRNEHMUNG DER ENGLISCHSPRACHIGEN WELT
Erster Tag der “erneuten Hitzewoche” (Deutsche Medien), es ist die Kalenderwoche 30. Man begegnet vielen Menschen, denen das Wetter irgendwie auf den Kopf drückt, das Gehirn. Mit zugekniffenen Augen zeigen sie auf ihren Kopf: da, kaputt. Ich nicke nur: versteh ich. Im HASE an der Theke sitzen und einen schwarzen Kaffee trinken, die heutige FAZ schnell durchblättern. Wieder ein Artikel über eine junge Autorin mit “Erstlingswerk” (was ist das eigentlich für ein Wort?), 31 Jahre alt ist sie, und die arme Frau wird als diesmal WIRKLICH neue “Stimme der Generation irgendwas” bezeichnet, man weiß ja nie, wer damit angefangen hat, hinterher will es nie jemand gewesen sein. Can she sell in Germany? Tilman Spreckelsen rezensierte, 52 Jahre alt, geboren im Taunus-Kreis. Es geht, in dem Buch, um eine Dreiecksbeziehung, so wie ich es verstanden habe, oder jetzt vielleicht falsch erinnere. Die zitierten Textstellen daraus fand ich komplett uninteressant, aber Spreckelsen fand es, glaube ich, ganz gut. Weiter geht’s.
Auf der GMX-Startseite steht – ganz nach der vorgefertigten Formel “zeigt sich im sexy Bikini” etc. – lasziv mit eingeknickter Hüfte: Lena. Lena, “sexy Lena”, die eine halt, mit dem Doppelnamen, und sie hat mal wieder ein sexy Posting gemacht, wie man sagt, diesmal, ja, “im Bikini”. Und sie steht da, wie alle diese Frauen da immer stehen, in der Pose verschieden, im Gestus ewiggleich, und mir und allen hier durch das direkte Fenster Instagram in ihr symbolisches Kapital Einblick gewähren, wenn man denn will. Lena also posiert hier vor dem Spiegel in einem knappen, aber nicht geisteskrank knappen Bikini, und was auffällt ist, dass sie eine sehr schmale Taille hat, aber im direkten Anschluss daran eine relativ feste und breit-muskulöse Hüfte, die fast wie aus Marmor gehauen plastischen Eindruck macht, nicht richtig rund und nicht richtig eckig, und ich würde mir das von Manet in Öl deutlich GERNER ansehen, und zwar: von dunkel nach hell, so lässig wie es keiner sonst macht.
„The idea of relief from pain has something to do with ambiguity. Ambiguity supposes eventual resolution of itself, whereas certitude implies further ambiguity. I guess that is why so much “depressing” modern art makes me feel cheerful.“ sagte John Ashbery in der Paris Review.