I PREFER A MORE CRITICAL ART
Gestern Abend, Bachmannpreis Update. Tom Kummer sitzt in der Klagenfurter White-Out-Kulisse auf einem sich drehenden Podest und liest. Ich dachte: jetzt haben die echt den Arsch offen. Wartete eigentlich darauf, dass sich Kummer, IM LESEN, umdreht und sagt: das Gedrehe hier, ihr habt doch den Arsch offen. Erschöpft trat ich ans Fenster, am Himmel waren tausende Sterne zu sehen auf dunkelblauem Samt. Sie sind immer da, trotz allem und jedem.
Bachmannpreis, das ist so eine Demütigungsmaschine geworden, für die Autoren, die ständig content abzuwerfen hat. Statt Texte gibt es immer mehr MENSCH, immer mehr personality, aber da ist ja oft auch einfach NICHTS – und warum auch? In mir stürzen Hütten und Paläste zusammen bei Sätzen wie: “Wir haben hier eine Trennungsgeschichte”. Ah, eine Trennungsgeschichte, okay, aber: bitte bitte nicht. Ich bekomme speziell deutsche Beklemmungen wegen deutscher Prosa, Protagonistennamen jagen wie Flüche durch mich durch. Vielleicht zu Unrecht, klar, aber ich befürchte nicht.
Kann die Freude am Bachmannpreis von früher nicht mehr aufbringen, es ist eher Elend, wie die da…..egal. Sitzt Tex im Publikum? Kann ihn nicht entdecken. Gibt es “subsexuellen Sexsubtext” dort noch, von dem Goetz einst schrieb?
Hubert Winkels: “Weltperforation”
Die französische Spielerin Bussaglia, die doch intern hoffentlich “Bussi” genannt wird, verliert mit den ihrigen das Viertelfinale 1:2 gegen die USA. Ich muss an die Freundin eines Freundes denken, sie hat ein Gesicht wie Alex Morgan, hübsch, irgendwie dabei ambitioniert verbissen.
Der winzige und einnehmend derangierte weiße Pudel, dem die Zunge immer raushängt. Sein Gang ist hüpfend und zittrig. Manchmal trägt ihn sein Besitzer, Kippe im Mund, aus dem Spielsalon MAGIC PLAY, an der Ecke, um mit ihm ne Runde zu drehen. Zigarettenlänge. Immer wenn ich den sehe, den Pudel, denk ich: fuck, der Typ ist Hammer.
Morgens DeLillo, mittags Berlin, abends Pernod.
17:36h. Post: meine erste VG Wort Ausschüttung, 84 Euro.