• Do, 09.05.2019

    IN MUSIK IST ETWAS, DAS SICH AUF DIE KREATUR WOHLTUEND ÜBERTRÄGT

    08:41h. Ja was für eine Kreatur ist man denn eigentlich selbst? Ich bin durchgewirkt von den letzten Wochen. Wie Alexander-Arnold den Eckball reingebracht hat, und die komplette Barca-Mannschaft noch rumtrödelte, auf so einen Moment warte ich.
    Jetzt der erste freundliche und lichthaltige Morgen seit Tagen. Vogelgeflöte, ferner der norddeutsche Dialekt Luhmanns liegen in der Luft. 

    Zwischendurch, hinter den Blockaden, an von kaltem Regen gepeitschten Häusern vorbei, die Farbe dort dunkler, wo die Nässe ins Gemäuer eingesickert ist, und ich nehm an, ich denke auch dunkler, wo bei mir die Nässe eingesickert ist.
    Der Monat Mai, die ersten Maitage waren mir alle morgens, gleich nach dem Aufwachen sofort zum Feind geworden. Unangenehm. Und mit dem Zurückschießen ist es ja auch so eine Sache. FRIEDEN bitte.

    In den Straßen mit schwarzen Kabelbindern an Fallrohre gefesselte Maibäume, die letzten acht Tage haben das Kreppband schon fast ganz aus den Bäumen geweht. Wie acht Tage etwas altern lassen können. In den dürren Birken hängen stabile rote Pappen, manchmal in Herzform geschnitten, weiße dünne Zettel in Din a 4, zugesägte Holztafeln, dick mit Edding drauf: 

    Nika
    Marie
    Charlotte
    Hinni
    Luise
    Lena
    Jana & Romina (wie die beiden sich wohl einigen darüber?)

    Holz spricht sinnlicher
    und überlegter
    als Worte –

    Hier kommt grad das Zeichen, also weiter jetzt an meinem Formenwerk.

  • Mi, 01.05.2019

    BLESSED ART THOU AMONG WOMEN

    Wie ist das Wetter auf dem Chrysanthementhron, und wie geht es mir eigentlich, was ist das für ein schweres Gestein, das mir morgens im Magen liegt, gestern, vorgestern, vorvorgestern – anstrengend, das Tasten nach hinten, da hab ich jetzt keinen Bock drauf, also lass ichs sein, aber: warum liegt es da?

    In der Galerie Sander die Porträt-Fotos bekannter politischer Aktivisten meines jüdischen Zahnarztes, draußen schien die Sonne, und ich stand da vor Julian Assange und dachte: ja, was kann man eigentlich über dich wirklich sagen, jetzt, was bist du für einer?

    Im Atelier resignative Schauer. Die Kälte im Blick, von der Sonne gemacht. Anflüge von Behaglichkeit, wenn ich daran denke, in einem Schneesturm von George Bellows spazieren zu gehen.

    Freud behauptet ja,

    dass Kacken eine der frühen sexuellen Erfahrungen des Kindes ist.

    Genauso gut sollte sich Kunst anfühlen.

    – schreibt Kenny. 

  • Fr, 26.04.2019

    WHAT BECAME OF THE LIKELY LADS

    Lenny, mittlerweile “ziemlich genau Zehneinhalb” (Lenny) und “ein bisschen erkältet”, stellte mir die Frage, warum Menschen eigentlich verreisen. Ich antwortete drauf los, und währenddessen wurde mir klar, dass sich auf dieser Frage eigentlich die komplette Zivilisationsgeschichte ausrollen ließe. Ich drosselte irgendwann stark ab.

    Was für Themen IHN denn beschäftigten, fragte ich ihn, und er sagte nachdenklich “der Klimawandel”. Fibonacci-Folge kannte er auch schon, und beim Fußballspielen mit einem Tennisball, neben den Mülltonnen, erklärte er mir, welche Zahlen sich mit fünf Fingern darstellen lassen. Über uns, näher als sonst, zogen dunkle Wolken vorbei, wie mit Graphit bestäubt.

    Mit nach Hause nahm er das kleine, wirklich gute Bild, das er zuvor gemalt hatte, Acryl auf 20 x 20 cm, ein Astronaut im Halbprofil, unter einem blauen Sternenhimmel. Auf dem Ärmel die winzige Andeutung einer amerikanischen Flagge.

    Wo lebt Tyler Durden eigentlich heute?