• So, 14.04.2019

    HOT 100 AIRPLAY

    “That’s The Way Love Goes”, dieser Janet Jackson Song aus – wie ich jetzt nochmal nachgeschaut habe – dem April 1993 – –

    released on Virgin Records
    recorded in Edina, Minnesota
    contains Drum Sample by The Honey Drippers “Impeach the President” (1972)
    contains Guitar Sample by James Brown “Papa Don’t Take No Mess” (1974)
    produced by Jimmy Jam and Terry Lewis 

    – – vibrierte erst real im Raum, dann im hinteren Wahrnehmungsbereich bei mir an, während ich da lesend im Café saß, das war letzte Woche, draußen schien die Sonne. Heute lief der Song wieder im Café, und wie ein wirkendes Pharmazeutikum, dockte diese zutiefst DEEPE Harmonie wieder genau dort in meinem Hirn an, an den Rezeptoren, die Erinnerung quasi holistisch auffächern.

    Und wie ich da anfangs noch zögerlich mich zu erinnern versuchte, WELCHER Song das denn nochmal war, stellte ich hinterher, in genau demselben Maße eindeutig, wie es zuvor noch uneindeutig gewesen war, fest: natürlich, SO klingt doch dieser Zeitabschnitt, und obgleich ich nie ein avid listener von Janet Jackson war, konnte ich mir ohne Verzögerung vorstellen, wie ich diesen Song als 11jähriger höre, weil man damals noch Radio hörte – und wie lang damals die Jahre noch waren.

    Im April 2019 kann ich locker und frei von Distinktionsbegehren oder Genre-Ablehnung sagen: echt guter Track, gute Akkorde, gute Harmonien, atmosphärisch, guter Gesang, ein slick und silky um zwei Samples herumgebauter R’n’B. Im Video zum Song, das ich hier eben nochmal abrief, ist eine Art Hang Out Movie-Szenario dargestellt: Janet Jackson sitzt mit diversen, energisch aufgeladenen Freunden in einem beige-braunen Crib, überall sitzen noch mehr Leute auf Sofas und Terrakotta-Treppen herum, tragen Lederwesten auf nackter Haut, schulterlange Dreads, Cherokee Choker mit kleiner Feder dran. Der Unterschied zu Heute? Die Ausleuchtung. Damals gab man noch was auf Geheimnisvolles.

    Janet won’t stand for a trade-off — 
    she wants love a n d sex

    Auf der Messe, Mittwoch, Stand David Zwirner, ging hinter mir ein Mann vorbei, geradewegs auf eine große Leinwand eines Leipziger Malers zu, und sagte tatsächlich dabei: “Endlich mal ein Rauch mit Rauch”. GALLERY OPENING = GALLERY HOLE.

  • Mi, 10.04.2019

    TREFFPUNKT DER INTERNATIONALEN KUNST

    Gestern, zu jeder Stunde: ist das jetzt hier Frühjahrsmüdigkeit oder Werkseinstellung. 

    Später, als ich mit dem quotidian angel der StaBi Berlin, der für drei Tage in der Stadt war, aus der Kneipe in eine frühe Nacht trat, die rein geruchsmässig doch noch weit hinter einer Jugend in Gauting oder Westhoven etwa zurückblieb, hatten wir etwas gelernt. In der Kneipe hatten sich zuvor wohl zwei taubstumme Damen bisschen arg mit Sekt betrunken und etwas daneben benommen, und die tätowierte junge Wirtin sprach zu einem Zweiertisch offensichtlicher männlicher Stammgäste hin: “Wusste ich ja auch nicht, wie Taubstumme sind, wennse betrunken sind, aber jetzt weiß ich’s: die sind scheiße.” Auch eine gewisse, extrem ruinös aufgemachte Frau Erika, die mir bei früheren Besuchen schon als Gimmick der Kneipe aufgefallen war, versuchte irgendwie gestisch auf die beiden Frauen einzuwirken. So richtig bekam ich es nicht mit, all dies in unserm Rücken, während der angel Frikadelle und Gurke sich reintat.

    Nach Sirius gegriffen, im Regal. Kempowski wäre diesen Monat 90 geworden. 

  • Do, 04.04.2019

    AUS DEM UMFELD DES GIOVANNI PIETRO BELLORI

    Noch mal eben Winter again, das geht hier überraschend, aber nicht völlig abwegig aus den deutschen Sonnentagen hervor, der Frühling ist noch jung, und scheinbar auch: transident. 

    Im neuen Stadion der Tottenham Hotspur gibt es 773 Urinale.

    Gestern sah ich, dass O. ein weiteres, zweites Foto von Waltraud neben die Todeanszeige geklemmt hatte. Auf dem neuen Foto ist Waltraud älter, vielleicht Anfang oder Mitte 60?
    Die Todesanzeige hat er im Übrigen NICHT ausgeschnitten, sondern den kompletten Druckbogen der Zeitung zurecht gefaltet, und diese Anzeige direkt auf die Küchenwand getackert, und zwar auch so, dass er sie von seinem Platz aus, wo er sonst, auf der Sitzfläche des Rollators sitzend, unzählige American Spirit Orange und Kaffees zum Munde führt, sehen kann. Richtig konfrontativ. 

    Auf Arbeitsanstrengungen reagiert O. oft mit einer Art Genuss-Rappel, dann will er sofort Kuchen holen fahren oder “Muscheln essen”, gestern wollte er plötzlich, es war fast 18 Uhr, zu Feinkost Hoss an der Oper und “einen Hunderter aufn Kopp hauen”, für kleine Schnitzel nach Mailänder Art oder Scampis in kleinen Plastikschälchen.

    In der Nacht ein Interview mit Obrist und Anne Imhoff. Keine Erinnerung.