• Do, 28.02.2019

    DIE SANFTEN SEKTIERER

    11:13h. Seit zwei Minuten sind die Pforten der HÖLLE geöffnet. Ich hör die Dämonen schon gröhlen, draußen, die wollen aber alle nur SPIELEN. 

    Zahlreiche Jecke
    CORPSEPAINTED

    Die 52 Jahre alte Flaschensammlerin Christine Glas freut sich über ein gutes Geschäft Wieverfastelovend: „Heute mache ich mit Sicherheit an die 40 Euro.“ Auch ihr Mann ist in der Innenstadt unterwegs, um die Haushaltskasse aufzubessern. „Ich arbeite als Verpackerin in Bergisch Gladbach. Da verdiene ich nicht so viel. Von dem Pfand füllen wir den Kühlschrank wieder auf“, sagt sie.

    Armut existiert auch weiter. Hoffe sie machen heute 400 Euro.

    Rückblick in die letzte Woche. Der ganze Freitag strahlte so, lachte mir mit niedlichem Diastema ins Gesicht, und ich vernahm eine Stimme: GELBE TULPEN. Also ein Strauß gelbe Tulpen für den Buchhändler zum Geburtstag, der war aber nicht da, also abgegeben. Am nächsten Tag traf ich ihn aber an, die Tulpen standen noch verpackt im Wasser.  “Und ist das’n größeres Problem mit KNV?” – “Könnte eins werden”. Dann Kaffee geholt, später kaufte ich ein älteres Buch über Art Brut (Rizzoli) und Kluges Gärten der Kooperation, schon das Rosa des Umschlags ist so schön. Es war der erste richtig SCHÖNE Tag des Jahres, und ich dachte an das Foto im StadtAnzeiger am Tag zuvor, es zeigte eine Greisin, die sich an ihrem Rolli festhielt, das Gesicht müde: “Wieder daheim: sehnsuchtsvoller Blick zurück nach einem tollen Tag.”

    Sonntag Nachmittag erzählte mir O. am Telefon, dass Waltraud verstorben sei, “heute Morgen”, ganz beiläufig hat er es, wie einen Überhang, ans Ende eines völlig anderen Satzes gehängt. Er sieht es, nehm ich an, wie sein Freund Bazon: diese Scheisse gehört eigentlich abgeschafft. 

    Jetzt 14:26h, der Regen kommt.

  • Fr, 22.02.2019

    Die vertraute Stimme, die maßgebliche Stimme, die spricht. Das ist die ZEIT sicher nicht, gestern wieder festgestellt. Bei einem Stück Apfelstreusel über dem Interview mit Finkielkraut, Stichwort Finkielkraut / Gelbwesten.

    Finkielkraut war am Boulevard Montparnasse von Gelbwestenträgern, die sich aus einer größeren Demonstrantengruppe herausgelöst hatten, als “dreckiger Zionist” beschimpft und, so er, leicht angegangen worden. Georg Blume, ZEIT-Fragensteller: “Die Bilder und die Beschimpfungen wie “dreckiger Zionist”, “verrecke” oder Parolen wie “Wir sind das Volk” konnten einen gerade als Deutschen zu Wut und Tränen treiben.” Ich dachte, ich les nicht richtig, “gerade als Deutscher”. Oh Georg Blume, delicate German Flower, das ist ja super unangenehm.
    Wenig später lief am großen Fenster ein junger Hund vorbei, bzw. der Hund federte so irr, dass die junge Frau am Nebentisch zu jauchzen begann. Konnte ich nachvollziehen, gerade als Deutscher haha

    Ich verwechsel immer Julian Barnes und Julien Greene, sorry, “Julian/Julien”, das ist wie eine Vortex.

  • Do, 21.02.2019

    O QUE FOI FEITO DEVERA

    100 Jahre lenkbares Licht

    Winterende
    alsbald. Schwer ist es mit dem Wachwerden, grad. Und jetzt wohl
    wirklich ein erstes, deutliches Frühlingsaufbäumen: Hier – schaut her,
    wie ich Blau zu Licht mache, wie ich im Wandel bin. In der Kleidung der
    Leute, in meiner eigenen Kleidung, sieht man aber noch, dass noch
    niemandem so RICHTIG klar ist, was denn jetzt los ist, welche Festzeit
    ansteht.

    Dienstag den ganzen Tag im Atelier, Zeichnungen auf
    Hotel-Papier, Notizen zur, na klar: KUNST. Dann gepackt, ab nach Hause,
    war es jetzt doch wieder kalt oder doch schon etwas wärmer, ich konnte
    es nicht wirklich sagen? Ich fror, egal wie.

    Olaf hatte Kai
    Althoff als Gast in seiner Radiosendung, Do The Wrong Thing, zwei
    Stunden Musik, „halbe Stunde ich, dann halbe Stunde Kai, dann letzte
    Stunde Pingpong“, und dann ging es auch schon los. Die Herren ließen ein
    Mikro etwas offen, so dass man die soziale Atmo, Gespräche der wohl gar
    nicht so wenigen Gäste im Studio, mitbekam. Fand ich dann mit der Zeit
    immer schöner, angenehmer, ich dachte dann: so muss ich ja dann wirklich
    nicht vor Ort sein, und es „raubt“ der Musik auch absolut nichts, im
    Gegenteil, there is a light….. ETERNAL AMBIENCE. Gleich am Anfang
    spielte Olaf ein geiles Dub-Stück, da brauch ich noch die Track-ID, wie
    die young performer sagen, zum Brasil-Stück sendete er mir anderntags:
    Clube de Esquina 2, Milton Nascimento, 1978.

    Auf Vulture
    Jerry Saltz über Warhol, Andy. Wie immer bei Saltz nerven bisschen
    diese amerikanischen ANSAGEN in dieser hohen Frequenz, andererseits
    verstehe ich das auch, dass man vielleicht Lust bekommt, das bereits
    Ultraaffirmierte nochmals, demonstrativ, im texten zu affirmieren, mit
    Textlärm, um sich das alles auch selbst nochmal klar zu machen. Warhol,
    am morgigen Freitag schon 32 Jahre lang tot. Bei Colachello, in HOLY
    TERROR, steht im letzten Abschnitt, dass kurz vor Warhols Tod die
    Galeristin Mary Boone, „the hottest art dealer in New York“ Mitte der
    80er Jahre, Warhols Rohrschach-Bilder aus den frühen 80ern ausstellen
    wollte, große Museums-Ausstellungen in Deutschland und Österreich
    standen schon fest, überhaupt, schien es, bekam Warhols Karriere nochmal
    einen kleinen Turn: er wurde jetzt auch ernst genommen,
    kunsthistorisch, war nicht mehr nur „bekannt“, sondern „relevant“. Mary
    Boone indes, jetzt 66, wurde letzte Woche wegen Steuerhinterziehung zu
    30 Monaten Gefängnis verurteilt, ohne Bewährung.

    Male Genitals, 1950s

    Wer
    liest eigentlich die Bücher von Rocko Schamoni? Ich meine nicht, wie
    VIELE (denn es sind viele), sondern WER? Ja schon ein spezielles eigenes
    Genre, diese Hamburger Musik/Humor-Nummer, Platten bringen kein Geld
    (Konzerte ein bisschen), aber die Bücher, das muss gut was einbringen.
    Strunk sicher reich mittlerweile, Schamoni auch? Ich will dann immer
    Zahlen hören, rein als Orientierung, rein w i s s e n schaftlich.

    Sand in der
    Performancegruppe