ANMERKUNGEN ZUR BILDVERSENKUNG IM PATRIARCHAT
Bernhard, Thomas: “Ein Plattenspieler ist kein gutes Gerät.” – fett und schwarz hingelayoutet auf diese Doppelseite, die Sascha mir aufgeschlagen hinhielt, in diesem neuen Buch über den Bernhardschen Hof in Ohlsdorf, und mein Gedanke war: wer soll das alles lesen, sich dafür auch noch interessieren, es ist alles zu viel, kann der Künstler nicht vor allem in seiner Kunst bleiben, alles wird rausgeholt, hingelegt und abfotografiert und mit Texten versehen und auf merkwürdige Bedeutungsebenen gehievt, aufgedruckt auf Buchseiten und in den Handel gebracht und da liegt es dann, Bernhards Nüsse, Bernhards Stullen, Gramscis zertretene Petunien – Bernhard hätte es, keine Ahnung, nehm ich mal an jetzt, nicht gefördert, beim BESTEN WILLEN nicht vorstellbar, but he’s dead, his opinion don’t matter anymore, und das stimmt ja auch, und wer weiß, so langweilig wie Etel Adnan ist es dann wahrscheinlich doch nicht.
Er öffnet neue
Denk- und Sehwege
zu einem Künstler, der
– unter anderem – …
Rechts neben der Tür ein schönes neues Buch vom geilen Verlag Piet Meyer, Christopher Rothko, der Sohn von Mark, diesem bösen bösen Trinker, für den galt: WÜTEND schritt er voran – wie es auch bei Goetz heißt – und zwar wirklich. Weiter links das neue, rosafarbene Buch von Sophie Passmann, dahinter das von Margarate Stokowski, und ich sagte zum Buchhändler, ich hab gehört, diese Lesungen seien alle rappelvoll, und der Buchhändler erwidert, dass auch die Lesung zum rosa Buch schon restlos ausverkauft sei, “drüben”, im Schauspiel Köln?
Neulich, beim super guten Interview im Podcast von Bret Easton Ellis mit Dennis Cooper, da fiel’s mir wieder ein: natürlich, Dennis Cooper, das wolltest du (Ich) doch mal lesen, diese sadistische Nummer, die andere meist, etwas faul und reißerisch gleichzeitig, immer so zusammenfassten: kleine zarte schwule Jungs werden in Keller gesperrt und gefoltert. Da diese Bücher aus den frühen 90er Jahren zwar nahezu alle vergriffen, aber nicht rar sind, gab man in die Such-Leisten der auf dem Monitor sichtbaren, universellen Findungsmaschinen den Begriff ein, und begann ein bisschen Witzchen zu machen, ob ich jetzt quasi schon beim Verfassungsschutz gelistet sei. Sigmar Gabriel würde mich natürlich in Schutz nehmen.
Am Abend kam B., der engste Freund von “Schatten-Heinz”, und erzählte von der Eröffnung letzte Woche bei M. Paley in London. Extrem voll, auch extrem anstrengend, Goth-Boys und NEID, Enrico David hatte Tränchen und Tomma Abts nicht. Wo Kunst ist, ist nicht nur Luft, sondern auch immer: viele Probleme.