• Fr, 08.03.2019

    ANMERKUNGEN ZUR BILDVERSENKUNG IM PATRIARCHAT

    Bernhard, Thomas: “Ein Plattenspieler ist kein gutes Gerät.” – fett und schwarz hingelayoutet auf diese Doppelseite, die Sascha mir aufgeschlagen hinhielt, in diesem neuen Buch über den Bernhardschen Hof in Ohlsdorf, und mein Gedanke war: wer soll das alles lesen, sich dafür auch noch interessieren, es ist alles zu viel, kann der Künstler nicht vor allem in seiner Kunst bleiben, alles wird rausgeholt, hingelegt und abfotografiert und mit Texten versehen und auf merkwürdige Bedeutungsebenen gehievt, aufgedruckt auf Buchseiten und in den Handel gebracht und da liegt es dann, Bernhards Nüsse, Bernhards Stullen, Gramscis zertretene Petunien – Bernhard hätte es, keine Ahnung, nehm ich mal an jetzt, nicht gefördert, beim BESTEN WILLEN nicht vorstellbar, but he’s dead, his opinion don’t matter anymore, und das stimmt ja auch, und wer weiß, so langweilig wie Etel Adnan ist es dann wahrscheinlich doch nicht.

    Er öffnet neue
    Denk- und Sehwege
    zu einem Künstler, der
    – unter anderem – …

    Rechts neben der Tür ein schönes neues Buch vom geilen Verlag Piet Meyer, Christopher Rothko, der Sohn von Mark, diesem bösen bösen Trinker, für den galt: WÜTEND schritt er voran – wie es auch bei Goetz heißt – und zwar wirklich. Weiter links das neue, rosafarbene Buch von Sophie Passmann, dahinter das von Margarate Stokowski, und ich sagte zum Buchhändler, ich hab gehört, diese Lesungen seien alle rappelvoll, und der Buchhändler erwidert, dass auch die Lesung zum rosa Buch schon restlos ausverkauft sei, “drüben”, im Schauspiel Köln? 

    Neulich, beim super guten Interview im Podcast von Bret Easton Ellis mit Dennis Cooper, da fiel’s mir wieder ein: natürlich, Dennis Cooper, das wolltest du (Ich) doch mal lesen, diese sadistische Nummer, die andere meist, etwas faul und reißerisch gleichzeitig, immer so zusammenfassten: kleine zarte schwule Jungs werden in Keller gesperrt und gefoltert. Da diese Bücher aus den frühen 90er Jahren zwar nahezu alle vergriffen, aber nicht rar sind, gab man in die Such-Leisten der auf dem Monitor sichtbaren, universellen Findungsmaschinen den Begriff ein, und begann ein bisschen Witzchen zu machen, ob ich jetzt quasi schon beim Verfassungsschutz gelistet sei. Sigmar Gabriel würde mich natürlich in Schutz nehmen.

    Am Abend kam B., der engste Freund von “Schatten-Heinz”, und erzählte von der Eröffnung letzte Woche bei M. Paley in London. Extrem voll, auch extrem anstrengend, Goth-Boys und NEID, Enrico David hatte Tränchen und Tomma Abts nicht. Wo Kunst ist, ist nicht nur Luft, sondern auch immer: viele Probleme.

  • Di, 05.03.2019

    Unter trägem Dirigat ziehen Wolken vorbei, als formlose Masse. Auf einem unbekannten Dach, an einem unbekannten Ort, sitzt William Basinski und sieht die Welt kollabieren. 

    Wenn ich so die Online-Feuilletons durchgehe, empfinde ich grade unglaubliche Erleichterung, komplett uninformiert zu sein: Takis Würger, Heimat, AKK Karnevals-A-Geddon, weiß ich nichts drüber, will ich auch nicht, weil es geht nur noch um dieses Empörungssignal, es gibt nichts zu lernen aus diesen Kindergeburtstagen, von denen alle, mit etwas Scheiße im Gesicht beschmiert, nach Hause zurückkehren. Aber ich komme bald wieder mal rein, versprochen. 

    Gefühle erschließen uns die Welt
    auf eine affektive Weise

    Das Zeitalter des Affekts. Finster.

    Gestern, nach fast 2 Jahren in dieser Wohnung, die Musikanlage aufgebaut. Es war einfach irgendwie zu eng vorher. Eigentlich nicht zu beschreiben.

  • Mo, 04.03.2019

    ICH BIN EINE PUTZFRAU, DIE MIT DER SPD ABRECHNET

    Sturm dröhnt durch die Schluchten und Regen peitscht auf alles hernieder, auf Braun und Grau, da, wo gestern noch Farbe war. Montag der Rosen, ein kalter vollaufender Tank, diesmal ohne Farbe, und ohne Pferde. Okay. Im WDR jetzt: “Es fängt zwar grade an zu regnen, aber wir haben trotzdem Spaß.” Ja, TROTZDEM SPASS, unsere Menschheit. Am Mittwoch enden diese Tage der Festlegung wieder.
    Um hier, bei mir im Raum selbst etwas zu verstellen, mach ich den Gwoka von den Antillen an. 

    Tatsächlich: Post vom Fundbüro der Stadt, Fundnummer 04240/19. Die EC-Karte, die ich in neulich in meiner Wirrheit im Ticketautomaten in der Bahn habe stecken lassen, wurde abgegeben. Ich war dann – ich hatte es 5 Minuten später bemerkt, dass ich meine Karte da stecken ließ – sofort zur Bank und danach zur Polizei für eine sog. KUNO-Sperrung gegangen. Warum sieht es bei der Polizei eigentlich so nach NICHTS aus? Das hat so eine fast aggressive Null-Atmosphäre, wie, ja was eigentlich, wie eine stumpfe Arbeitsplatte, in einem Bungalow in Nordholland, Mitte September, und auf der Arbeitsplatte steht ein Wasserkocher, der zwischen 5 und 15 Euro gekostet hat, weißes Plastik, mittelstark verkalkt. So würde ich das einordnen, in diese Richtung geht das. Neue Pin-Nummer merken ist dafür überhaupt kein Problem.

    La libertà di non
    essere d’accordo!
    Europa.