• Mi, 20.03.2019

    CHINA’S GOTH COMMUNITY HAVE UNITED 

    Heute ist persisches Neujahr und um 22:58 Uhr beginnt der Frühling, so hier die Informationslage. Gestern vormittag saß ich schon im Café draußen, auf der Bank, die Sonne beamte von hinten auf meinen Mantel, und außer Wärme war da ein holziger, angenehmer Geruch.

    Dann ins Atelier, in der Ubahn zwei maghrebinische aussehende Mädchen, vielleicht 11 oder 12 und echt lieb, wie sie da in den Hartschalensitzen hingen, die eine zur anderen: “Ich trag kein Kopftuch, mein Gesicht sieht dann so dick aus.” 

    In der NY Times ein Riesenartikel über Elizabeth Holmes, die 2003 mit 19 das Studium in Stanford schmiss, um mit THERANOS ein Start-Up zu gründen, das die medizinische Labortechnik revolutionieren sollte, kurze und einfache Bluttests an der Fingerkuppe mittels eines Sticks, in Kombination mit neuester Diagnostik-Technologie und durch den Vertrieb in der Marktkette Walgreens. 2015 war sie laut FORBES noch 4,5 Milliarden Dollar schwer, heute steht sie vor Gericht wegen Betrugs, angeblich wusste sie die ganze Zeit, dass dieses Tests nicht funktionieren können, fehlerhaft sind, zig Investoren habe sie IM GROSSEN STIL angelogen und die wollen jetzt ihre Hundertmillionen zurück, Bam, Ende. In einem kleinen Video-Bericht sieht man sie einen Eid ablegen, mit wirklich geisteskrank aufgerissenen Augen die Fragen der Ermittlerin beantworten, und man denkt: die ist erledigt.  

    Bei Rutschky ist jetzt der 20. Januar 2001. 

  • Fr, 15.03.2019

    DAS GETAUFTE TIEF

    Mit Kopfschmerzen erwachte ich Donnerstag, als hätte ich eine Schippe Schlamm im Schädelknochen, direkt hinter der Stirn. Übers Land ziehen düstere und extrem nasse Tiefdruckgebiete, die über 236,81 Euro schwere Wetterpatenschaften mit Namen versorgt werden. Nach “Igor” kommt “Jerry”. Jedes Tief ein Mann im Jahre 2019.
    Später las ich im Verteiler der ehemaligen Hochschule die Email eines Kunststudenten, der schrieb, man dürfe nicht mehr “Ghettoblaster” schreiben, das sei “culturally out of touch” und “offensive”. 

    Mittwoch bei Marc in Bonn, über das Buch, Glavinic, DiTrapano/Tyrant Books. Er schenkt mir Kathy Acker und das Rutschky-Tagebuch, dritter Band. Fange noch im Zug zurück an darin zu lesen, sofort drin. Übermorgen der erste Todestag Rutschkys. Unheimlich, das Zeitmonster.

    Dienstag mit Hansa im Museum, Hockney/Hamilton Grafik, danach noch ein bisschen vor den späten Picassos, niemals out of touch. 

  • So, 10.03.2019

    FEIERABEND

    Grade kam ich Heim, aus dem Sturm. Ich ging zu Fuß, von O.s Atelier aus, nach Hause, da kein DriveNow-Auto in der Nähe zu finden war. Allein, ob die Bahnen überhaupt noch fuhren, war ich mir zu fein herauszufinden. Die Dämmerung, in ihrer letzten Phase, bevor sie sich vollends in Nacht verwandelte.

    Überall Wind und Martinshörner. In der Unterführung Johannisstraße schiß mir eine Taube auf den Mantel, auf Schulter und Arm. Nicht so schlimm wie die Künstler-Features auf arte, die wir im Atelier laufen hatten. Diese Sprechertexte, diese Musik, das ist jetzt mittlerweile son bisschen für retarded people, arte, oder? Man wird fast aggressiv ans Hähnchen genommen, und bekommt wirklich allen Scheiß erklärt, in der Stimme der Sprecher so eine stolze Einfalt, unerträglich.

    Sehr gut dafür, unerwartet: David Wojnarowicz The Waterfront Journals. 

    Die ersten Gewitter des Jahres.