• fr, 26.12.2025

    VLAMINGSTRAAT 40-42

    Kaltes, klares Wasser—
    die Luft hier und heute, so schmeckt sie, gestern schon, und vorgestern bereits, in W’hoven. Atme sie ein, ich trink sie ganz.
    Atme sie ein und trinke sie, durstig, die Luft dieser Weihnachtstage, durchstochen nur von der Wintersonne und ihren Strahlen, ein Brennloch am Ende der Strasse, hoch oben, am Ende der Stadt, am Ende von allem, was dahinter noch liegt.
    Ich mache ein Foto von der Sonne. Es funktioniert natürlich so nicht. Das ist das nicht. Ich lösche es wieder. Die falsche Linse, sie lügt nicht gut genug.
    Ein Wort bietet sich an: Reassurance.

    Am 24., grade hatte ich das Petersilienwurzelpüree fertig und die roten Zwiebeln dem Schmoren in ihrem Schlammbad aus Rotwein und Butter überlassen, ging ich, nachdem ich instinktiv zur gelben Digital-Uhrzeit auf dem Backofen meiner Eltern rübergeschielt hatte, zum Rhein hinunter.
    Das Schwinden des Lichts abpassen, unten, an dieser „privatmythischen“ Kante zum Wasser, die ich beim Vornamen kenne, und wo die Strömung ihre hundert Sounds gleichzeitig abspielt.
    Und siehe da

    Da steht ein Reiher im Profil, als schwarzer, feiner Scherenschnitt am äussersten Rand eines schwarzen Ovals, eingelassen in eine verspiegelte Scheibe, von der ein türkisblauer Glanz ausging, ein fahler Zwilling des Himmels darüber.
    Ein anderer Schwarm war Sekunden vorher abgehoben und vor dem orangenen Band, das sich direkt über der Horizontlinie hinzog, in schwarzen Punkten zerstoben, bis diese im dunkelblauen und dunkelblauer werdenden Schmelz darüber, und noch höher, vollends verschwanden.

  • mi, 17.12.2025

    AUS DEN PRODUKTIVITÄTSLÜCKEN

    Nirgends ungeräumter, bröckelnder Schnee, grau und schwarz marmoriert von den Auspuffen der Busse, aufgeworfen und durchpflügt, the many states of water. Winter is a distant cousin.

    Die Zeit ist kein Fluss, aber Zimmer: aus den Zeitungen kommt die harte harte, kalte kalte Welt. Dort finde ich zumindest die Dunkelheit des Winters, der hier draussen ausbleibt.
    (Ich dachte eher an einen Charles M. Schulz-Winter.)
    Aber schon in 50 bis 100 Jahren auch nicht mehr, lese ich in einem Bericht über den Golfstrom, der auf dem Sterbebett liegt, dem grössten und flüssigsten der Welt.
    Der Winter wird kommen, das wird dort gesagt, für die Menschen DANN, und wie klar und frei von Ornament diese Sätze dort stehen in dem Text, IN TEXT, dieser so unendlich schönen abstrakten Form, schwarze kleine Striche und Punkte und ihre Winkel, komplizierte Bögen, die bezeichnen, was ist, was sein wird, erwachsen und urteilsfrei, und noch der ärmste Ficker auf Erden mag sich dieses Werkzeug selbst nehmen, Sätze zu bauen, die….

    Ok. Was noch? Pippo kam im Atelier vorbei, mir das nun gedruckte und gerahmte Foto zu bringen, das ich mir von ihm gewünscht hatte. Direkt von seinem Instagram Account her hatte ich es sanft gefordert. Danke, Pippo. Ich denke auch wieder oft ans Fotografieren, Mittelformat Dias, wie ich es im Studium gerne gemacht habe. Aussuchen, Zufälle bemerken, Aufbauen, Draufdrücken, Ist es was geworden? Ich weiss es nicht, Ich werds sehen, Wiederholung. Mich interessieren so viele Dinge. Das ist natürlich logisch und schön. Angesichts eines linearen Zeitverständnisses aber auch ein Problem.

    12:34h. Dieses Journal ist nun, unsichtbar und hinter den Kulissen, umgezogen. Neues Hosting, neue Disziplin fürs Journalschreiben. Wie einer, der von einer langen Reise in ein aufgeräumtes Haus zurückkehrt.
    Das erhofft sich, ganz herzlich, Ihr

    Roger Williams, Providence

  • Di, 21.10.2025

    DIE AKTUALISIERUNG IST FEHLGESCHLAGEN. DU BIST WAHRSCHEINLICH OFFLINE.

    Manchmal—nicht so oft—falle ich plötzlich aus dem Nachtschlaf heraus in einen abrupten Augenaufschlag, angegangen von tonnenschwerdüsteren Traumgebilden, chlorin beleuchteten Angstlandschaften, die am Rande des Wachwerdens nachflackern, und deren psychologischer Lärm noch böse und polyphon nachklingt. Erstmal auch keine Linderung in Sicht, da im Blickfeld, im Whiteout eines Werktagmorgens. Thema ist immer Versagen. Thema ist immer die Kunst als Form und Mechanismus des sozialen Niedergangs, meines sozialen Niedergangs, denn die Zukunft bleibt als Konzept auch im Kopf desjenigen bestehen, dessen Hals (vielleicht) bereits in der Schlinge steckt, wie es Nate West schreibt in Kapitel 4.

    Den Regen not Reagan gestern kündigte ein Geflecht aus langgezogenen, fast die ganze sichtbare Waagerechte einnehmenden Schlieren von Cirrus an, die fransig und wie nachlässig miteinander verwebt im zu diesem Zeitpunkt noch blauen Himmel hingen. Die Tage davor schon kamen die Winde, die nun endlich, WIRKLICH, alles herbstmässig herrichten, die Blätter von den Bäumen holen und allerlei Farbe am Boden verteilen. Busy are the eyes und die Nüstern (🐎).

    Ein Verbund von kugelrunden Meisen schwirrte die letzten Tage, Wochen, hier umher, am Felsfenster morgens, und manchmal höre ich es klackern auf dem Fensterbrett, ihre winzigen, dünnen Läufe, dann doch so deutlich wahrnehmbar, sehr süss und funny. Bei facts and fiction in Sachen Fragilität und winzige Körperchen vernehme ich eine deutlich angestiegene Sensibilität.