DER BESEN
Wie Böcklins Toteninsel, fiel mir dann ein, hatte ich den Badeschaum meines Rücken-Wärme-Bades (Tetesept) mit den Füßen aufgebauscht und in Form geschoben, nur die dunklen und dichtstehenden Zypressen fehlten, die über die Ruine ragen. Ich hielt währenddessen mit der linken Hand den Houellebecq, leuchtend gelb und ohne Schutzumschlag, in die Luft, da war ich gerade auf Seite 173, und ich dachte kurz, dass dies Buch doch jetzt ziemlich warm und zärtlich geworden ist, ÜBER DIE LIEBE, und in diesen Gedanken hinein mischte sich der der Rezeption, ob denn nun TROTZDEM in allen Besprechungen dieses Romans stehen würde, wie zynisch und böse und diesdas er nun wieder sei, der Houellebecq, und ohne es wirklich zu wissen, ohne es wirklich in Erfahrung gebracht zu haben, dachte ich, dass ich genau das der Welt zutrauen würde, nämlich die wirklich wichtigen, substantiellen Details nicht zu sehen, sondern eher an der Vervollständigung des STILLSTANDS interessiert zu sein, an der ewig gleichen Feststellung, dass man schon vorher was dazu festgestellt hatte. Dabei steht es ja da im Buch drin, man muss es nur richtig lesen.
Der vom warmen Wasser aufsteigende Dampf benetzte mein Gesicht mit Nässe, und ich schaute, nochmal, in Richtung Fußende und sah die Toteninsel unversehrt.
Böcklin malte insgesamt fünf Versionen dieses Bildes. Die dritte Version von 1883 wurde in den 1930er Jahren von Adolf Hitler erworben, der es einige Jahre später in der Neuen Reichskanzlei zu Berlin ausstellen ließ. Ausgerechnet in der dritten, der Hitler-Version, sieht man den Nachen NICHT auf nachtschwarzem Meer, unter nachtschwarzem Himmel.
Bei O. im Atelier galt es dafür ein malerisches Problem mit dem Motiv eines Besens zu lösen, der zwischen Totenschädel und kleiner Maus hinzumalen war. Als das irgendwie gelungen schien, sagte O. durchaus “aufgegeilt” (O.) zu mir: “Du bist ein ENGEL!”. Ich habe keine Zweifel.