BLACKOUT IM SPIESSIG VERRUCHTEN BERLIN DER 20er JAHRE
Goetz steht da direkt neben Otto Waalkes, sah man dann in den letzten drei Sekunden eines Beitrags auf der Seite des RBB, wo sich gestern da alle zum abschließenden “Pressefoto” zusammenstellen wie eine große Hochzeitsgesellschaft, man sah, wie Waalkes SCHERZHAFT ein bisschen in die Knie geht, und wie klein Goetz dann wahrscheinlich ist, wirklich ist, klar, das ist nicht wichtig, aber es ist Realität, oder nicht?, alle diese Mappen in der Hand, mit schwarzem Leder überzogen, innen drin, nehme ich an, ein schöner Bogen von Dokument-Bütten, Wasserzeichen, Siegel, Unterschriften, am Schluß sah man noch Wolfgang Tillmans sein warmes Lächeln lächeln, das Bu-Ve-Kreuz über seine Fingerknochen hängend, wie einen Rosenkranz. Neo Rauch war auch da und Jim Rakete, und dutzende andere, die ich zum Teil nicht kenne, klar, das ist doch normal, dass man wen nicht kennt.
Marc schickt mir ein Foto der spanischen Ausgabe von Irre, überraschenderweise dann doch ziemlich straight betitelt Loco, unglaublich hässlich und grob zusammengebaut, eine Art Arnulf Rainer- oder Günter Brus-artige schwarzweisse Foto-Szene, ganz heftiger und direkter 80er Jahre Appeal, Mann mit nacktem Oberkörper, vielleicht noch mit Kalk eingeschmiert, die obere Gesichtshälfte zubandagiert, vor ihm auf dem Tisch und wie ein anstrengendes Nudelgericht in seinen Mund hinein oder hinaushängend: ein wirrer Haufen Kabel. Man ist das hart. Es ist aber auch fast zärtlich, der Gedanke, dass dieses Foto auch in Zukunft noch gemacht werden wird, von Leuten, die meinen, dass ihnen die Kunst dieses Motiv abberufen hätte. Jetzt fällt mir auch auf: es könnte auch die Fotovorlage eines Gottfried Helnwein sein, quasi der David Foster Wallace der österreichischen Malerei. Könnte Goetz dieses Cover verbieten?
Der autoritative Gestus
approbierter Expertise
fickt dahinten
auf der Wiese
Pfuhl/Laugwitz: lese das Wort “Ordnungshaft”