IN DER KULTISCHEN BEGEHUNGS-STRUKTUR
Nummern und Ziffern die sonst links kamen, glitten rechts ein aus den Tunneln, kurz orientierungslos, erst unklar, wie die Bahnen jetzt fuhren, eine Sperrung zwecks Umbauten an der Haltestelle Dom/Hauptbahnhof führte zu realen Gleisänderungen realer Bahnen, die man ja auch erst mal….. und dann standen da diese Bahnen mit ihren offenen Mündern und schauten einen fragend an. Die KVB: so lasse alle Hoffnung fahren, und du kommst an. Ja, ich muss ja.
Wenig später stand ich schon in der Kunsthalle zu Düsseldorf, die immer leer scheint (?), Harald Szeemann Ausstellung, MUSEUM DER OBSESSIONEN, Details und Objekte und Korrespondenzen zu den großen Szeemann-Ausstellungen der 60er und 70er Jahre. In der kleinen Sektion zum Monte Veritá fiel mir der Proto-Queere Elisar von Kupffer auf, der, Sack und Schwanz rasiert, schwarzweiss und körnig sich hingoss vor einen Felsen, nackt oder in kleinen Schürzchen und Höschen, die dunklen Augen auf diese melancholische Art müde, abgewandt dem Profanen, eine sexuelle Präsenz aus 1900 bis 1920. Über der Vitrine, in der Elisarion in vier bis fünf Photographien und Abbildungen in seiner Erscheinung entworfen wird, zwei kleinere, sanfte Pastelltableaus, nackte Jünglinge, in paradiesischen Kulissen: DIE KLARWELT DER SELIGEN.
Dann mit Marc und H., einer jungen Schriftstellerin, die ich durch Marc erst dort kennenlernte, zu Heine, eigentlich zu Welt, sozusagen Weltwärts. Der dünne junge Mann in den frühen 80ern, der runde verlorene Mann später. Ein Video, es zeigt die Mutter frisch onduliert auf der Couch, schätze Mitte der 80er Jahre, und wie sie dem Lokal-Journalisten in seine Kamera sagt: “ja uns wäre es lieber gewesen, unser Wolfgang hätte etwas Ordentliches….” ETWAS ORDENTLICHES. Da war es natürlich schon längst zu spät. Er war Künstler geworden, er schrieb sich, wie man weiß, verrückt, und blieb dabei, so sieht es für mich von außen aus, ultra konsequent und integer, und dann dachte ich, dass es eben wirklich einen Unterschied gibt, zwischen Künstlern und den anderen, die die Dinge nicht wissen, die man einfach weiß.
Ich stieg ein, die Türen schlossen sich.
Verließ den Bahnhof ins Halbdunkel einer lauen Oktobernacht, vorbei am McDonalds und der Apotheke, wo wenige Tage zuvor noch ein 60jähriger Syrer einen Brand ausgelöst und eine junge Frau als Geisel genommen hatte, dann vom Sondereinsatzkommando niedergeschossen wurde, und beim Rausgehen, zu dieser Zeit, gegen zwanzig vor Zehn Uhr abends, sah ich, daß alle, die daran vorbeigingen, ihren Blick kurz dahin richteten, weil man, wenn man daran vorbing, dachte: da ist es, da war es.
an dessen Ende ein Leben nach dem Tod steht,
in dem sämtliche Dualitäten – vor allem die von männlich und weiblich –
in einer neuen, von Frieden und harmonischer Schönheit geprägten Welt
überwunden sind.