• Do, 01.11.2018

    In the Catholic Heartland IM FRAUENGHETTO

    Neue Erdrotation in 23:56:04….und lese hier, das am 3.11. Venus als Morgenstern sichtbar sein wird. Durch mein Fenster aber, seh ich eine Welt, die klein aussieht, weggesargt hinter Glas. Dass es hier, um uns, um mich, noch ein paar andere Planeten geben soll, innen, aussen, transneptunisch, halte ich für ein Gerücht.

    Jetzt wird ernst, Junge

    Kurzes und gutes, -> VERNÜNFTIGES Interview mit Frau Antje Stahl zum Althen-Preis und der Kaube-Rede bei monopol Online, so daß ich dachte, wo war denn jetzt eigentlich das sog. Problem? Merkwürdig: mal wirkt das alles sehr komplex und verzahnt und vernagelt, und dann ist es doch auf einmal alles ganz klar und einfach und die Wirkmechanismen und -kräfte einfach zu benennen. Alles, frei nach C.O.P., doch eine “Pinselfrage”?

    Speaking of: Montag war ich noch mal paar Stunden da, wie vereinbart, und nachdem ich ja Freitag mit O. ein bisschen “mit harten Drogen experimentiert” usw., empfing mich ein “im Arscher” O. mit wirklich müden, fast hundert Jahre alten Augen. Er hatte, so er, zu viel von dem Zeug übers Wochenende genommen. Im Frühjahr hätte ich mir noch sowas wie Vorwürfe gemacht, daß ich ihn nicht abhalte von derlei Späßen, aber mittlerweile habe ich verstanden, dass man freien Menschen nicht wirklich etwas verbieten kann, ohne sie mit der aus dem Verbot echoenden eigenen Weltenge zu provozieren. 
    Irgendwann am Abend sagte er, in Richtung Kollegin G., ich sei ja “der Einzige, der hier arbeitet”, nunja, kleiner Giftpfeil halt.

    Gestern Abend, vor der Eröffnung von S., noch zu Lakshmi Essen gegangen, ewig nicht gewesen. Kottu Rotti mit Lamm, dazu ein Mangolassi. War zuviel. Zu Fuß rüber, Richtung Philharmonie. Später, im Nieselregen: Julia Scher sagte in ihrem schönsten Deutsch: HÜBSCHE VÖGEL, trug dabei Kopftuch. Tief orange glimmten die Straßenlichter vor in Dunkelheit schwarzem Beton.

    Gekauft: David Wojnarowicz The Waterfront Journals. Ganz gern gekauft, aber dann doch nicht: Peter Weibel (Hg.) Phantom der Lust – Visionen des Masochismus in der Kunst, 2 Bände

  • So, 28.10.2018

    IM BLUTROTEN HAUSMANTEL DER LIBERALE GYNÄKOLOGE SAMUEL JEAN DE POZZI

    Cosmatos’ Mandy, der Anfang ist schon so geil, finster finster ist es hier, in diesem großem AUSGEATME, fließende, braungrüne Baumkronen, von einer Drone überflogen und jetzt von UNS betrachtet, dann die synthetischen Streicher, und der glühende, elektrische Gitarrenton, Starless

    – rot und satt strahlen die OPENING CREDITS

    and Bible Black –

    ein purpurner, expressionistischer LSD-Dampf in seiner Helligkeit, eine glitschig schimmernde, lederne Skulptur in seiner Dunkelheit, dazu der Soundtrack von Jóhann Jóhansson, der kurz danach starb, das ist ja alles nicht nur absolut der beste Anfang, den ich in letzter Zeit gesehen habe, sondern vielleicht auch einer der besten Filme des Jahres, finster und doch gold through my eyes.

    The image of Mr. Nauman as a cowboy was in wide circulation by the time of the 1995 retrospective. And for some people it colored the way his art was perceived. It was seen as dude-art, and, as such, evidence that he was just another alpha-male artist taking an institutional victory lap around the arena. The assaultive ambience of the show itself didn’t help. These reactions, while not baseless, clouded the nature of his art.

    – “Clouded the nature of his art.” So kann man’s natürlich auch formulieren, while not baseless (LOL), wenn man zu faul oder zu retarded ist zum richtig Nachschauen. Die Abstraktionsfähigkeit knieftief in Kobras im Dispo.

  • Di, 23.10.2018

    WIR SIND IN TIEFER SORGE UM DIE EINIGUNG EUROPAS UND DIE ZUKUNFT DEUTSCHLANDS: HANS EICHEL, JÜRGEN HABERMAS, ROLAND KOCH, FRIEDRICH MERZ, BERT RÜRUP, BRIGITTE ZYPRIES

    Und dann dachte ich: DER da ist doch quasi der “Young Bessing”, also oder: der junge Bessing, die längeren dunklen Haare, wie sie da aus der hellgrauen und picobello aussehenden Wollmütze hervor bzw. herausflossen, der Bart sauber getrimmt, die Augenbrauen dicht und akkurat, einfach der Eindruck, den dieser junge Mann machte, da dachte ich, so könnt’ doch der junge Bessing, so er im Jahre 2018 sagen wir 32 Jahre alt wäre, aussehen, und JETZT, also NOW, hier sitzen, im Café, dazu den schwarzen gemütlichen Hoodie von NIKE, mint condition, mit dem Logo, wo noch das NIKE über dem Swoosh steht, wie man es, wenn man mindestens so alt ist wie ich, aus den 90er Jahren kennt, aus Michael-Jordan-Zusammenhängen. Das dachte ich, als ich das kleine Löffelchen braunen Zuckers in den Kaffee rührte, ich konnte nichts dafür, denn der junge Mann sah ja wirklich dem Bessing etwas ähnlich, den ich ja nicht mal persönlich getroffen habe bisher, woher dann also diese Lust, sich ein bisschen festlegen zu wollen? Den jungen Mann freilich, der da im Café saß, den seh ich ja öfter, das ist einer von diesen jungen Männern, wo ich nie weiß, wie alt der sein könnte, in welcher Lebensphase er sich befindet, 28, 32, 35, Sportstudent, Bachelor Int. Marketing, Facharzt für Nephrologie. Zumal er eben aussieht, wie in bestimmten Großstädten der Republik nunmal junge Männer so aussehen, irgendwie makellos, aus mindestens einem Saum oder gerafften Ärmel lugt eine Tättowierung, die Kleidung, der Auftritt suggeriert eine konsumistische Note, alles sieht immer aus wie grade gekauft und verweist dennoch auf Codes oder Moden aus der Vergangenheit, ohne den kulturellen Anteil, Air Jordan Chic oder New Wave Chic oder diejenige Berufskleidung, die grade modetrendisch revitalisiert wird. Wissen kann ich all das nicht, vielleicht bin ich voller Vorurteile in diesem Falle. Aber ich dachte: Young Bessing. Bericht vom Gehirn.

    Die erste Düster-Kuppel, vom Herbst über den Tag gestülpt. Zum ersten Mal beugen sich die Bäume in den Winden eher ernst, nicht mehr spielerisch, nicht mehr leicht. Die Schwere des Winters deutet sich an und ich bin müde, und dann wieder nicht. Seit 18:37 Uhr ist es dunkel.

    Sonntag hatte O. Geburtstag, 85 Jahre. Ich rief ihn Sonntagabend an, im Hintergrund redete seine Tochter, dazu laut der Fernseher, wie es bei Greisen eben so ist. Ich finde süß, dass er immer kurz lacht, wenn ich “Hallo O.!” sage, ich sag’s immer extra ernst und demonstrativ, und vielleicht lacht er aus Erleichterung, weil ich ein Verbündeter bin.