A FEW ROOT BEERS
Bill Mauldin, so Charles M. Schulz, bzw. so Snoopy, habe den besten Matsch gezeichnet. Matsch, metertief durchfurcht, otherworldly, durch den amerikanische Soldaten trotten, aufgeplatzte deutsche Panzer, halb eingesunken in den Bodenschleim, braun glänzend, durch die schwarze Tusche hindurch.
Und auch in dem neuen Film They Shall Not Grow Old, über den ersten Weltkrieg, oder The Great War, gänzlich aus alten Frontaufnahmen britischer (oder eher: commonwealth’scher) Provenienz bestehend (und somit die sog. deutsche Perspektive komplett ausklammernd), ist der Matsch, ist diese unglaubliche Verwüstung der Landschaft, der STAR. Ungefähr 80 Prozent des Films sind nachkoloriert, zum Teil sind kleinere Szenen dezent nachsynchronisiert, was, wie ich finde, echt ganz gut gelungen ist, weil es sich, wie Otto sagen würde, embedded ins Ganze. Keine technisch-inszenatorische Aufdringlichkeit, eher Augmentation, Erweiterung des (dokumentarischen) Wahrheitsbegriffs. Jede Nachkolorierung indes hat diesen Übersaturierungseffekt, da diese FARBE relativ wenig Dynamik besitzt, es ist ja eigentlich eine Übermalung, und doch ist der Effekt, wie ich fand, wirkmächtig, trotz der Abgeklärtheit, mit der wir grade historisches Material besehen, die wir alle haben für die technische Erweiterung des BILDES, denn unser Gehirn und der dazugehörige Apparat ist – dare I say it – fast immer intelligenter als der Teil, der das nach innen hin gerichtete Sprechen produziert.
Das Grün und Braun der britischen Uniformen, verblüffend in Bewegung, ja die bewegen sich, hundert Jahre alte junge Männer, Teenager, bewegen sich, machen Kniebeugen, sitzen auf einer Holzstange, drei, vier Mann nebeneinander, und scheißen an der Front in eine kaum sichtbare Rinne aus, natürlich: Matsch. Die stumpfe Mattheit, dieses unglaublich Robuste und Grobe von Kanonenwagen, die Dachziegel einer Scheune, die wild zitternd und im Dutzend herunterfallen, durch die Wucht der abgeschossenen Kanone, Richtung Deutsches Heer. Alte Gasmasken, in Sommersonne blinkende Bajonette, fast komplett von Wundbrand zerfressene Füße in dunkelsten Violetttönen, die tagelang in mit Regenwasser zugelaufenen Gräben und Kulen harrten, verwesende Pferde, von Granatsplittern tragen sie riesige klaffende Wunden, durch sie kann man tief ins Weiche hineinsehen. Englische Soldaten, deutsche Soldaten, mit wächsernen und starren Gesichtern, die Augen von Vögeln und Ratten weggefressen, oder von den ersten Panzern überrollt, weil man sie wegen laufender Gefechte nicht begraben konnte. Das Entsetzen der jungen englischen Soldaten, als sie sehen, dass die Deutschen eine Waffe benutzen, die viele noch nie zuvor gesehen hatten: Flammenwerfer. Und manchmal, da sieht man einen, dessen grüne, nachkolorierten Augen durch all das hindurchgehen.
Man kann ruhig kurz festhalten: ich sitze hier, die Heizung auf Stufe 3, wirklich: die absolute Gnade der ganz späten Geburt, betrachtet von 1918 aus. Inshallah.
Und wo kann ich jetzt einen Reifenschoner, Größe 255/70R18, bedrucken lassen?
Roy DeCarava, Man sitting on stoop with baby (1952)
Contrary to the idea that
money can’t buy happiness
Data shows
on average
it kinda does