• Fr, 30.11.2018

    NICHT NUR GESCHIRR

    Ein Haus braucht einen Boden, damit es weiss, das es begangen wird, und ich brauche, am Morgen, diese spezielle Gesellschaft der Gegenwart, und dann brech ich’s runter, Stück für Stück, und es kommt ne Tasse Kaffee raus, und ich schau raus in einen noch RELATIV jungen Taghimmel. 

    and you try to move towards her
    but you can’t move your shoulder

    In der U-Bahn gestern die Situation – und man ist natürlich ubahnbedingt in diesem Beobachtungsmodus – dass sich, an der Haltestelle zwei junge, wartende Schulboys, so 12 oder 13 Jahre alt, da bisschen kabbelten, wie das Jungs in ihrer leichten Sinn- und Hilflosigkeit eben so machen, und dann hörte man, die Jungs waren eingestiegen, aus der Tiefe des Bahnwagens ein WHAT DID YOU DO? näher kommen und lauter werden. Ich hab paar Sekunden gebraucht, um zu checken, was passierte: der junge Englisch sprechende Mann kam auf den größeren der beiden Jungs zu und forcierte jetzt, vor der versammelten Mannschaft, hier einen Akt der Zivilcourage, wollte den Jungen coram publico zur Rede stellen, was natürlich irgendwie völlig unangebracht war, vollkommen übers Ziel hinaus. Ich sagte aber nichts, saß nur da und schaute zu. Ich hatte keinerlei Lust aufzustehen und dem jungen Mann klarzumachen, dass er es sicher gut meine usw., aber jetzt hier einen auf öffentlichen Ankläger zu machen ja wohl etwas deplatziert sei, weil es sich um zwei befreundete Jungs handelte, die lediglich pubertär etwas abspasten. Es sagte aber eh NIEMAND etwas, ich sah nur, wie alle, völlig gebannt, sich dieses Szenario anschauten, wahrscheinlich mit diesem düsteren kleinen Gefühl im Körper, mit dem man so etwas beobachtet.

    Zuvor, beim Siebdrucker, war alles so friedlich, der betörende Geruch von arbeitenden Druckmaschinen, der dicken Gummimatten, die quadratmetergroße Schnittmatten sind, durch tausende cuts beschrieben wie ein Dokument.

  • Do, 29.11.2018

    MY CONTINENTAL DRIFT

    Gestern eingeladen bei Dublab, mit H. bisschen Musik gespielt, nett verpeilt, gleich mal meinen Namen falsch gesagt, nicht schlimm, echt nicht, “a und e werden gerne verwechselt” hatte ich da gesagt, ja, stimmt doch oder? Stunde war schnell um, konnte aber John Holt, Hugh Mundell und James Ferraro unterbringen. WHITE BRONCO SPEEDING TO HIS DREAMS

    Und jetzt finde ich den Artikel von Gestern oder Vorgestern nicht mehr, im Guardian, über den neuen Beautytrend: das Spritzen eines Serums, das aus Babypenisvorhäuten südkoreanischer Babyboys “gewonnen” wird. Kein Witz. So richtig geil 2018mässig fragte dann der Guardian in seiner Überschrift: gehen wir JETZT, also JETZT ENDGÜLTIG zu weit? Nee, warum denn?

    Morgen – ganz echt – dann mehr

  • Di, 20.11.2018

    SCHON IST ES HELL UND AM SCHREIBTISCH: THE DEVIL’S AVOCADO

    Ja, Himmel, was willst du? Eine gigantische, mahnend ausgestreckte Hand über uns: es ist der WINTER, sneaky bastard. Fort sind golden shower und der Bäume Laub, brüchig und schwach ist die Gummi-Isolation meiner Fenster. 

    Die SZ, die konnte es mal wieder NICHT, das Pettibon-Heft vom vergangenen Freitag, mit dem ärgerlichen Interview als Kernstück. Wirklich immer dieselben Scheißfragen, als gäbs nicht schon 100 Interviews, die sich der junge, von der SZ ausgesandte Mann mal hätte eben kurz…. nein? Bei Bessing hab ich es schon treffend gelesen: wenn obenrum nix geht, kann man immer noch pathologisieren: der stumme Künstler, er sagt: NICHTS, er schaut: AUS DEM FENSTER! Er kocht Reis. Mit MAIS, meine Damen und Herren! Brei auf Stelzen. Wie gut, dass die FAZ Kolja Reichert hat, dessen Ed Ruscha Interview vom Sonntag muss ich aber noch lesen.

    Freitagnachmittag kam eine Nachricht via Instagram:

    Hallo Herr K.,

    ich besuche den Kunst-LK am Apostelngymnasium in Köln und wir haben momentan ein Projekt mit der artothek zusammen. Jeder sollte sich ein Kunstwerk ausleihen und eine Antwort darauf formulieren. Ich habe mir eins Ihrer Werke ausgeliehen, welches kein Titel trägt aber auf dem in schwarzen Buchstaben das Wort “Misery” abgebildet ist. Ich war sehr beeindruckt von der Intensität und der Bedeutung die Sie dem Wort verliehen haben. Um Ihr Werk besser kennenzulernen und einen tieferen Einblick zu erlangen würde ich mich über ein Treffen mit Ihnen freuen.

    Viele Grüße

    Oh man. Natürlich umwerfend süß. Die junge Frau, die das schrieb, ist 17 Jahre alt und eine aufgeweckte, smarte und schöne Abiturientin, die später nach Berlin zum Kunststudieren will. Ich traf mich mit ihr, sie bestellte Baumkuchen und wir redeten ein bisschen. Sie ist knapp vor dem 11. September 2001 geboren und wollte mich immer siezen. Zweitempfindung: zartes Dasein, Welt lieb usw.

    David Sedaris hat sich einen Philip Guston gekauft, steht im Interview mit, hab ich vergessen. Eine Zeichnung? Ein Ölbild?

    shall not perish
    from the earth