• Fr, 19.01.2018

    09:27h

    FÜNF OUTSIDER

    Spärlich an Farbe und Elan – immer noch – der Freitagmorgenhimmel. Er wird nicht Besitz von mir nehmen, die Drecksau. Allein, einer der Fünf, Dietrich Orth, der nicht möchte, daß seine persönlichen Daten an dieser Stelle genannt werden, ist eine besondere Kategorie. Befolgen wir jetzt die Anleitung zum Würdegefühl beim langsamen Gehen.
    Und jetzt also doch: geboren 1956, ein Jahr jünger als meine Mutter, Wohnort unbekannt. Aber ein Lebender unter den vielen vielen toten Outsidern. “Heute lebt der Dietrich Orth in einer psychiatrischen Institution in Süddeutschland. Das Malen hat er schon seit längerem aufgegeben.”

    how a creature of the kind I seemed to be — reserved, quiet, solitary — could ever become good at a game in which quite another character type seemed to excel: matter-of-fact, unreflective, pugnacious.

    Coetzee und Cricket und das Art Game

    Ex-Rapper und IS-Terrorist Deso Dogg tot. Schon wieder.

    Gestern zu Rangy ins Atelier, zu Fuß von E’feld aus. Zuvor fast von einer blauen Tonne (Papier) erschlagen worden, wegen ihr wißt schon wem. Nach der Unterzeichnung des Mietvertrags für das neue Atelier noch ein Rührei essen gegangen. Polizisten in Signalgelb sperrten Teile der Venloer Straße ab, mitten auf der Straße lagen kleine karminrote Pulverhäufchen. Das waren die Dachziegel, die von oben kamen. Gutgelaunte Greise mit winzigen Hunden traten aus der Ruhestandwohnung auf die Straße, um das ganze zu analysieren. Die langhaarigen unter den Hunden wurden derweil brutal vom Wind zerstoben, und siehe da: sie haben Gesichter.

    Absperrband in außertropischem Tiefdruckgebiet,
    Öl auf Holz, 64 x 43 cm, 2018

    da bin ich fast neidisch
    – ja, da bin ich auch auf mich selbst neidisch

  • Mo, 15.01.2018

    17:29h

    Jetzt ist es schon finster, und eben war es noch hell gewesen. Leichte Verzweiflung: meine Maranta leuconeura ist total abgeschlafft, und ich weiß nicht genau, warum. Ist es das Licht, ist es das Wasser? Ich gieße, ich sprühe, ich wechsle den Standort, ich streichle die Blätter! Bei Schnittblumen weiß ich jedenfalls, dass meine Wohnung ein Hospiz für sie ist, in dem sie noch mal ein paar Tage…

    Offene Tabs: Catherine Millet über #metoo, The Parachutists von William Baziotes, Transfer window January 2018

    Die schöne Stimme Helen Frankenthalers

    20:53h

    Artforum’s new Editor-in-Chief David Velasco (”When David was fifteen, he wrote an op-ed in favor of medically-assisted suicide”)

  • Do, 11.01.2018

    9:39h

    JUSTIN TIMBERLAKE IM INTERVIEW

    und Ernst Jünger in diesem Jahr 20 Jahre tot: 17.2.1998.

    Erst als es dämmerte, gestern, das Licht schon zur Dunkelheit hin sich streute, verließ ich das Haus so richtig, zum Buchhändler hin. Mit Vorsicht muss ich ihn berühren, seit der Herzoperation führen blutgerinnende Medis dazu, dass er überall am Körper Hämatome hat. Man muss ihn nur mit dem Finger anstupsen. Im Café Fromme neben uns, eine sehr interessant aussehende junge Frau, Typ große Italienerin, mit einem deutschen Bürschchen so an ihr klebend, Typ Florian oder Fabian (Sorry, guys). Als sie rausgehen, halten sie Hähnchen. “Das geht nicht”, sage ich zum Buchhändler, und er sagt “Die schießt den bald eh ab”. Niemand aß Törtchen.

    Wassermann-Geborene fühlen sich in den Städten Hamburg, Trient und New York wohl.

    Dann kam auch schon mein Anwalt in den Buchladen, und seine wunderschöne New Yorker Schwester gleich mit. Sie sagt, wenn man aus Deutschland kommt, kommen einem sogar die New Yorker superfreundlich vor, haha. Freude und gute Laune kam auf, doch dann musste ich Anwalt und Anemone ziehen lassen.

    Roter leuchtender Ring in der Finsternis, wenige Zentimeter über dem Asphalt nervös umher schwirrend: es ist ein winziges Hündchen beim Ausgang. Jedes Mal frage ich mich aufs Neue: was ist das denn da?
    Und dann ein Werk der ewig produzierenden, großen Welt-Bild-Maschine: der rote Leuchtring, dahinter die nasse Straße, Stadt und Winternacht, vom Lichtschein einer ARAL Tankstelle aralblau und kühl erhellt.

    16:51h

    TIME’S UP XTRAVAGANZZA

    Justin Timberlake im nullhaften Kuschel-Interview (Überschrift: “Ich liebe teure Mode”) mit der Süddeutschen: er spielt einen schnuckeligen Bademeister im neuen Film von Woody Allen, dem wiederum anderweitig, und sozusagen auf völlig anderem LEVEL, von der Regisseurin/Schauspielerin Greta Gerwig im ebenfalls HEUTE im The Guardian zu lesenden Interview wiederum so begegnet wird: “If I had known then what I know now, I would not have acted in the film (To Rome With Love, 2012).” (Frage: was GENAU gewusst?)
    Bei Timberlake also kein Wort über die Tatsache, was der Name Woody Allen in Hollywood grade, seit ein paar Monaten, aber verstärkt durch die Sache Weinstein, bedeutet – Mißhandlungsvorwürfe von familiärer Seite (Dylan Farrow) – sondern lockerer Talk über die “Legende” (Timberlake) Woody Allen, während gleichzeitig Frau Gerwig eben genau diese Zusammenarbeit mit Allen von vor 5 Jahren als großen persönlichen Fehler eingesteht: “I have not worked for him again, and I will not work for him again.” Sonntag noch sah man Justin Timberlake bei den Golden Globes einen TIME’S UP Pin tragen. Auch interessant. Hab mich einfach sehr gefreut, das heute alles nahezu gleichzeitig lesen zu dürfen. Das Poetische heisst Sammeln. Alles passiert gleichzeitig. Amen.