• Sonntag, 29. Oktober

    Abends kam der Sturm, in der Nacht die neue Zeitrechnung. Viel los.
    Zu viel Wind ist Gegenwind, und eben, da hab ich kurz gedacht: kann das sein, der Himmel so strahlend blau? Jetzt aber ist er zugezogen mit Wolken, und der blaue Himmel von eben kommt mir vor wie ewig her. Im schönen Oktoberlicht aber, ja was ist da, da liegt ein Gottvertrauen*.

    * Dimensions variable

    Freitagabend meinte Otto: komm wir gehen noch was essen. Ich war schon ziemlich durch zu diesem Zeitpunkt, gut sechs Stunden reden, zuhören, an seinen Bildern arbeiten, sich um einen freien Mann Mitte Achtzig kümmern. Mit freien Menschen wird es LOGISCHERWEISE irgendwann anstrengend, das muss so sein.
    Wir fuhren die zweihundert Meter zum Italiener mit dem Auto, weil Otto kaum gehen kann, der Oberschenkelhalsbruch, das Alter etc.. Nachdem das Auto abgestellt war, schauten wir noch kurz ins Schaufenster des Gay-Shops rein, vor gelbem Hintergrund schwarze Buttplugs, interessant konzipierte Unterhosen und absurd teure Gayporn-DVDs, 48 Euro. “Warum sind die so teuer?”, fragte Otto, und ich sagte, als ob ich die Antwort wüsste: “Sind Importe!”, aber stimmt vielleicht auch. Die Preis-Etiketten waren schon ziemlich verblasst, was ich irgendwie als traurig empfand. 

    Im Restaurant lief nervös ein weißer Pudel hin und her. Sein Bellen klang, wie aus dem Innern einer Plastikbox kommend. Beim Essen dachte ich, dass man bei keinem europäischem Volk so locker großzügig über dessen Rassismus und Antisemitismus hinwegsieht, wie bei den Italienern. Ich glaube, es wäre vielen Menschen insgesamt zu anstrengend, ihr Italien-Bild dahingehend realistisch updaten zu müssen. An der Stelle muss ich wohl gelächelt haben, weil Otto auf einmal fragte: “Woran denkste?”

    Ah, da kommt mehr Licht in den Tag.

  • Donnerstag, 26. Oktober 2017

    The Sky stops painting and turns to criticism – Ben Lerner

    Weit und weiß und tief der Himmel und hölzern die Ideen, die darunter entstehen. Nicht mit mir!

    Ich stelle den Teller mit Krümeln ans Fenster, aber kein Vögelchen kommt. Hier sind sie zu schüchtern. Oder sind die Dahlien zu rot?

    Sie fragt vor laufender Kamera für den Bericht am nächsten Tag: “Was hören wir denn von dir heute Abend?” – “Leider kein Stück von mir”, antwortet Anna-Lena Schnabel, “das hat mir der NDR verboten.” – “Das können wir leider nicht reinnehmen morgen”, sagt die NDR-Journalistin entschuldigend. – “Das wundert mich nicht”, sagt die Preisträgerin.

    Woher all meine starken feelings für öffentlich-rechtliches Fernsehen? Intensiv gehasst, Artikel in der ZEIT, über den NDR und den “Jazz-Echo”, bzw. über eine Dokumentation, die das megagesättigte Gehabe der Macht in seiner ganzen Wurstküchenartigkeit zeigt, oder: es nur andeuten muss, exemplarisch. Dass der NDR einer Musikerin, die ausgezeichnet wird, verbietet, ihre eigenen Lieder/Kompositionen zu spielen. Das muss man sich mal reinziehen. Wie ganzheitlich kaputt die Begründung: Die Musik sei nicht gefällig genug, da würden die Leute wegschalten. Man kennt das, man kennt diese Logik, und ich musste lachen, wie es dennoch immer wieder geisteskrank ist, komplett geisteskrank. Aber es ist überhaupt kein Thema, weil man sich darauf geeinigt hat, dass es so läuft halt. Denen geht es zu gut. Das ist ja wirklich der Grund.

    Gott lohne das Lasten-Taxi

    Sweet Little Denken

  • Dienstag, 24. Oktober 2017

    Heute ist vom ersten Augenblick an komplett unplausibel. Wie gesagt: vieles schwierig grade. Die Frage gestern an mich selbst, auf die ich keine Antwort wusste: interessiert mich Kunst überhaupt? Ich will immer nach Hause, meine Ruhe haben, und dann bekomme ich Energie, mit der ich nichts anfangen kann, und dann ist Elend. In 9 Tagen ist die Ausstellung, mir könnte nichts egaler sein. Klärung muss folgen. 

    Neu: grüne Jacke. Rote Dahlien. Auch neu: mein neuer Strom-Abschlag ab 1.11.: 39 Euro.