Abends kam der Sturm, in der Nacht die neue Zeitrechnung. Viel los.
Zu viel Wind ist Gegenwind, und eben, da hab ich kurz gedacht: kann das sein, der Himmel so strahlend blau? Jetzt aber ist er zugezogen mit Wolken, und der blaue Himmel von eben kommt mir vor wie ewig her. Im schönen Oktoberlicht aber, ja was ist da, da liegt ein Gottvertrauen*.
* Dimensions variable
Freitagabend meinte Otto: komm wir gehen noch was essen. Ich war schon ziemlich durch zu diesem Zeitpunkt, gut sechs Stunden reden, zuhören, an seinen Bildern arbeiten, sich um einen freien Mann Mitte Achtzig kümmern. Mit freien Menschen wird es LOGISCHERWEISE irgendwann anstrengend, das muss so sein.
Wir fuhren die zweihundert Meter zum Italiener mit dem Auto, weil Otto kaum gehen kann, der Oberschenkelhalsbruch, das Alter etc.. Nachdem das Auto abgestellt war, schauten wir noch kurz ins Schaufenster des Gay-Shops rein, vor gelbem Hintergrund schwarze Buttplugs, interessant konzipierte Unterhosen und absurd teure Gayporn-DVDs, 48 Euro. “Warum sind die so teuer?”, fragte Otto, und ich sagte, als ob ich die Antwort wüsste: “Sind Importe!”, aber stimmt vielleicht auch. Die Preis-Etiketten waren schon ziemlich verblasst, was ich irgendwie als traurig empfand.
Im Restaurant lief nervös ein weißer Pudel hin und her. Sein Bellen klang, wie aus dem Innern einer Plastikbox kommend. Beim Essen dachte ich, dass man bei keinem europäischem Volk so locker großzügig über dessen Rassismus und Antisemitismus hinwegsieht, wie bei den Italienern. Ich glaube, es wäre vielen Menschen insgesamt zu anstrengend, ihr Italien-Bild dahingehend realistisch updaten zu müssen. An der Stelle muss ich wohl gelächelt haben, weil Otto auf einmal fragte: “Woran denkste?”
Ah, da kommt mehr Licht in den Tag.