• Samstag, 11. November 2017

    11.11., Tag des Terrors in der heiligen Stadt zu Zeiten sich ausbreitenden Wahnsinns. Wenigstens ist das Wetter scheiße. Bleibe erstmal im Bett und lese im Eliot Weinberger, dem, und da hat Clemens Setz hinten auf dem Cover vielleicht Recht, besten Essayisten of the world. Vielleicht. Es wäre aber auch egal, wenn nicht. Jedenfalls: die Geschichte Adam und Evas, als Text aufgebaut wie eine listening session, bei der Original und extended/alternate versions gegeneinander abgehört werden. Auch alles sehr lässig hingeschrieben, toll.

    Jetzt ist es 11:10h.

    Die Karriere von Louis C.K. ist seit gestern, ungefähr gegen Mittag mitteleuropäischer Zeit, vorbei. Am Telefon mit S. darüber, die berechtigte Folgefrage: wer als nächstes? Inwiefern erscheinen innerhalb dieser Debatten Differenzierungen für noch zumutbar? Wieso macht der alleinige Aufruf zu Differenzierung so viele Menschen so aggressiv? Wie war das bei Adorno mit den Befangenheiten, das Bild der Welt befangen verfälscht, um Falschheit und Befangenheit abzuschütteln. Ja, ich gebe zu: ich bin irritiert.

  • Mittwoch, 8. November 2017

    Vor drei Tagen, um 19:55 Uhr, da notierte ich: Aus dem Schlaf in die Finsternis der Nacht brutal zurückerwacht, da lag ich da, verwirrt, und ich wußte erst nicht – aber da fiel mir auf: die Zeit, von Uhren abgelesen, von Uhren auf Telefonen, die hell und giftig abstrahlen in die Nacht hinein, die Zeit ist bloß noch vier Nummern, nicht mehr Zeiger in Bewegung, keine Bewegung hin in die eine Richtung, zum nächsten Moment, bloß starre Ziffern, ohne Zukunft, die sich dann – verdammtnochmal – ohne Ankündigung: umwandeln.

    Heute, 9:16 Uhr, notiere ich, wie ich mir manchmal zusammenfantasiere, mit bestimmten Frauen der Zeitgeschichte rumzuknutschen, z.B. mit Rosalyn Tureck. Frau Rosalyn Tureck ist aber seit vierzehn Jahren tot, und wenn bisschen knutschen, dann müsste es wohl ca. im Jahre 1944 stattgefunden haben müssen, denn da war Frau Tureck 30 Jahre, was ein fantastisches Alter ist, ich hingegen war im Jahre 1944 noch ungeboren, sozusagen noch lange tot, und außerdem hätte ich im Jahre 1944 schon ein relativ bekannter Maler sein müssen, weil ich nicht glaube, daß Frau Tureck (ich darf Rosalyn sagen) sich von jedem Tönsel knutschen lässt, der sie zulallt, natürlich völlig zurecht, denn sie ist, oder war, nicht nur wunderschön, sondern auch berühmt. Sie dürfte mich ganz streng anschauen mit ihrem strengen Rosaly Tureck-Blick, ja, das würde ich mir sogar wünschen, und dann würde ich auch schon den Duft ihrer Haare riechen und dann ließe ich mich erschlagen von ihren mächtigen Wimpern, und wäre so eine recht zufriedene Leiche. 

    9:44 Uhr: Bundesverfassungsericht fordert drittes Geschlecht in Geburtenregister

  • Samstag, 4. November 2017

    SERIOSITÄT

    Donnerstagabend: Eröffnung. Ich trank vorher Alkohol, damit sich dieses Gefühl vermindert, freiwillig zur eigenen Hinrichtung zu spazieren. Grauenhafte und lähmende self awareness. Extra nachlässig gekleidet. Viele Leute da.

    Fünfminütiger Gaga-Auftritt der Bürgermeisterin am Rednerpult eine Erleichterung, weil überraschende Ablenkung, ex machina, sozusagen. Später, es waren fast alle gegangen, trat ich vor die Tür, es fiel sanfter Regen auf die gutgelaunte Runde Alkoholiker, die, da bin ich mir sicher, in konzertierten Formationen routiniert diverse Vernissagen infiltrieren, um kostenlos Wein und Bier abzugreifen. Meistens erkennt man sie an der geröteten Haut und ihren speckigen, alten Jacken.

    Der Typus des Verbalfickers

    Frage: sind Sie eigentlich nur im Internet komisch oder auch so?