• Sonntag, 19. März

    Kontrollierte Sprengung des Bonn-Centers um Punkt 11 Uhr unter Leitung des Sprengmeisters Eduard Reisch. Zwei eingerichtete Sicherheitszonen, die auf einer Infografik des Bonner General Anzeigers wie eine gigantische Brustwarze aussehen. 

    Sicherheitszonen geschaffen von Eltern
    und Menschen, die in Luftschutzbunkern wohnen,
    in denen Du sonst nichts vermißt außer Dir selbst
    und sobald du Dich fragst, wer das ist
    und ob Du Dir so wie Du bist gefällst
    wird das der Moment, in dem Du das Gebäude verläßt

    so schaltet sich hier eben Distelmeyer, Jochen dazwischen, aus dem Jahre 1991, weil ich beim Wort “Sicherheitszonen” immer sofort an dieses Lied denken muss – falls nicht immer: sicher aber genau jetzt. Max Goldt habe ich mindestens zweimal im Bonner Pantheon gesehen, das sich bis letzten Sommer im Keller des nunmehr – 12:21 Uhr – gesprengten Gebäudes befand, auf dem, wie Wikipedia schreibt, geografischen Mittelpunkt Bonns gelegen. Ich erinnere, daß ich Christopher Lauer dort ebenfalls im Publikum sitzen sah. Wann genau das war, wie lange das zurück liegt, weiß ich nicht mehr, es ist Teil der nicht näher zu benennenden Konkursmasse DAMALS.

  • Samstag, 18. März 2017

    A Feeling für alle nicht gemachten Grobheiten

    Die Stadt, in der man zu lange lebt, produziert ihre ganz eigene Form der Müdigkeit in einem, geht vom Asphalt über in die Füße, Knöchel und Knie, und manchmal glaube ich sogar, da ist anteilig Verlogenheit mit rein gearbeitet. Verlogen und vertraut west die Stadt um einen herum, alte Gebäude, neue Gebäude, und nur bestimmte Lichtsituationen können es möglich machen, die Stadt anders zu sehen, das Verlogene zu zerschlagen – Entschuldigung: in einem anderen Licht erscheinen lassen – das raffe ich hier grade wieder einmal. 

    Gestern bei der Eröffnung – die Ausstellung trägt den Titel We’re from the government and we’re here to help – ein kurzer Moment der Erkenntnis: all diese Gespräche, all das Soziale, das einem manchmal so viel gibt, in dem man wirklich nette und aufrichtige Menschen kennenlernen kann, sie wieder trifft, vor der Tür eine rauchen geht, man sich berührt am Arm, man sich mal richtig die Kleidung anschaut und sieht, welche Farben denn da sind. Diese schönen Momente des Zugangs. Meine schwedische Ex-Mitbewohnerin war Überraschungsgast, en svensk kvinna, und da war ich mal eben unmüde geworden. Der Notar trug wieder die Lederjacke und gibt gern die Story zum besten, wie wir uns kennengelernt haben, und es knallt immer rein. 

    Die Kämpfe bleiben heute draußen, das heißt: nee, die Kämpfe bitte nur auf Leinwand. Danke. Später, als man ging, ein laues Lüftchen in der Nacht.

  • Sonntag, 12. März 2017

    Wir sind hier zusammengekommen zu feiern die Autonomie des morgendlichen Sonneneinfalls in jeden Raum.

    Der grobe Stolz der Amerikaner

    Die Tage rasen, und mir ist es recht so. Die Luft ist wärmer, freundlicher, am Donnerstag hatte ich schon einen ersten Campari Soda.

    An den Bildern: mir kam da eine dunkle Hütte in den Sinn, davor ein dicker, irgendwie niedlich dicker Stein. Der Stein ist Sympathieträger. In der dunklen Hütte sitzt einer einfach nur da und harret der Dinge. Das Dach der Hütte sind grobe Holzplanken, in ihnen die Witterung (Zeit) eingespeichert.

    Ich traf gestern, als ich vom Buchhändler kam, den Notar und seine Frau. Sie saßen vorm Café, mitten im Licht, der Notar in Lederjacke! Die Innenstadt war so voll mit Menschen, es war sozusagen das Gegenteil von Fliegeralarm. Der Notar lud mich auf einen Espresso ein, die Bedienung hatte ihre Titten hochgekrempelt, aber die Fingernägel beim Styling vergessen, was der Gattin des Notars auffiel. Dann lästerten wir noch ein bisschen ab, über uns die Sonne.