Während ich hier schreibe, dringt von rechts her, abgedämpft durch Distanz und die Verglasung des Fensters, das Rumgeschreie von einer Gruppe Zigeuner an mich heran, dessen genaue Schreiteilnehmer ich eines in der Sichtachse parkenden, weißen Lieferwagens wegen nicht ausmachen kann. Ich kann auch sehen, wie sich für mich über ihnen, ca. 100 Meter entfernt, zwei Polizisten in Signalwesten durch den Görlitzer Park bewegen, zum Ausgang Richtung Wiener Straße hin. Die ganzen Blacks, die hier im September noch 25 Stunden am Tag anzutreffen waren, sind verschwunden. Es ist Winter. Über dem Park, riesig groß, eine schwache Glühbirne hinter Fettpapier. Ich war eben schon Kaffeetrinken, einen Artikel über britische Jugendliche und ihre Perspektiven, sowie einen über Netanjahu in der ZEIT lesen, Bananen und Milch kaufen, fotografierte einen einsamen Bürostuhl, auf dessen Rückenlehne in blauer Sprühlackfarbe Sozi 36 steht. In Berlin-Kreuzberg fotografiert man doch immer das gleiche.
Zwischendurch angstnahe Anflüge von wiesollesjetztweitergehen. Am Mittwoch hatte ich Post bekommen, daß ich das Arbeitsstipendium nicht bekommen habe. Hierin liegt keinerlei Wertung über Ihre künstlerische Tätigkeit.
