• Montag, 30. Januar 2017

    Die Kälte ist weg, ein Herbsttag gekommen. Martin Schulz (SPD) auch, er sagte bei Anne Will: “Ich bin gefühlt und faktisch der bessere Kandidat.” Komischer Satz. Man will nicht wirklich wissen, was der andere über einen denkt. Noch weniger will man wissen, was der andere über sich selbst denkt. Einreiseverbot für “faktisch” und alles, was damit gebildet wird. NOW

    Der fast zarte, norddeutsche Dialekt von Luhmann, der schöne, leidenschaftliche Rant von Jerry Saltz über “La La Land” (den ich nicht gesehen habe).

    Ich kann jetzt aber nicht mehr weiterschreiben, und ich will mich auch nicht weiter erinnern an das Gewesene. 

    Babe in shackles

  • Freitag, 27. Januar 2017

    Jeden Morgen und auch den Morgen danach beobachte ich konsistente Realität, wenn ich etwa zehn Meter schräg hinab in die Straße schaue, und dort stauen sich die Autos hinter einem warnblinkenden Lieferwagen oder Postauto. An einem unvorhersehbaren Punkt der Frustration hupt dann der erste los, es handelt sich jedoch nie um ein erstes Warnhupen, es ist immer direkt Schießbefehl. Das abgestellte Auto: die unglaubliche Provokation. Hier spürt der Deutsche seine Beraubung am unmittelbarsten.

    Niedergang, in Gestalt sich senkender Lider

    Gegenüber vom Buchhändler, im Asia Shop, kann man nicht nur sehr gut zu Mittag essen – es gibt immer nur ein Gericht – sondern sich auch die hausgemachte Erdnusssauce abfüllen lassen.

  • Sonntag, 22. Januar 2017

    Die Flucht. Ich kann die Worte und Satzgebilde um “Trump”, “fake” und “protest” nicht mehr hören, nicht mehr ertragen, leider, und bin froh, in einem Café folgende Miniatur in mein Heft notieren zu dürfen:

    Eine nicht unsympathische Hipster-Tucke schwuchtelt sich auf weissen Sneakersohlen und mit leicht federnden Schultern zur Fensterbank hin, wo die Zeitungen und Magazine liegen. Ähnlich einem Ausdruck von diesseitigster Erfüllung wie ihn Pilger in Lourdes im Gesichte tragen könnten – so meine Vorstellung – lächelt der junge Gayboy seinszufrieden, als sei er gleichsam mit dem Zentrum analen Glücks verbunden, einer Art auf fleischliche Kurzweiligkeit angelegter “Todesstern”, nur andersrum und in Vollgut. Mit leicht gespreizten Fingerchen greift er zur “Intro”. Seine Stimme ist ein Homoflöten, ein tuntiges Alto mit scharfem ß, und schlösse man die Augen während man seiner Stimme lauschte, man sähe vor sich das “Dschungelbuch” in einer steamy und hektischen Version aus dem Universum des Videokünstlers Ryan Trecartin. In vollem Ornat steht die Wintersonne.

    Gestern gab es Reibekuchen. Inshallah