• Dienstag, 22. November 2016

    8:14h: wach. Griff zum Telefon, Schlagzeilen lesen. Aufstehen, Kaffee machen. Das hohle Rauschen der Heizung: noch etwas müde sitze ich da und höre dem minutenlang zu, bis ich das Gefühl habe, einer Tätigkeit nachzugehen, die nicht als solche betrachtet wird. Im Geräusch liegt eine Ferne, das wird’s sein. Gestern las ich, sozusagen: dazu, einen Text von Katja Kullmann im SPIEGEL, über einen amerikanischen Philosophen, der auch Motorradmechaniker ist. Das Bumswort “Entschleunigung” kam nicht vor.

    8:58h: Blume gegossen.

    9:01h: Partysmasher am Montag: “Ombra mai fu”, gesungen von Andreas Scholl. Echte Tränen in der Mayonnaise.

    9:07h: Jeff Koons will Paris eine Skulptur schenken ,“Bouquet of tulips”, wird grade noch in Deutschland hergestellt. Er, Koons, “liebe Frankreich”, so Jane Hartley, Botschafterin der USA in Paris und Monaco. Rapperin Iggy Azalea behauptet indes, sie habe die “beste Vagina der Welt”. 

    9:33h: Was für 1 Aktion!

    9:39h: Superinteressant, was Kanye West, der jetzt seine restliche US-Tour komplett abgesagt hat – GEKÄHNZELT – über die US-Wahl dem Publikum, seinem Publikum, entgegen geschleudert hat. Schade, daß er so gute Momente mit dem restlichen Clownscheiß und seiner Edelnutte von Frau wegballert. 

    9:46h: Als die Scham von einem Lynchmob niedergetrampelt wurde, weil sie online keinen Nutzen hat, da….

    9:50h: Dachte, mir fiel grad ein Tropfen Blut aus der Nase. War aber nix. 

    10:13h: Sehnsucht danach, neue Farben zu kaufen. Diese schönen glatten Tuben, mit ihren wunderschönen Etiketten. Kleine silberglänzende Körper in der Hand.

    10:24h: Ich habe genug

  • Montag, 21. November 2016

    In dem Moment fängt es zu regnen an, als ich die eben gekaufte Willie Nelson Platte auflege, “Yesterday’s Wine” – ich hatte bisher überhaupt keine Willie Nelson Platte. 16:48h jetzt, das Licht wird langsam aus dem Himmel abgesaugt, die letzte, bisher dem Tiefherbst sich standhaft zeigende Esche, ist auch bald nackt. Halbwegs tief in den Knochen eine Müdigkeit, ich bin nervös, ich muss so viel regeln. Mittags Telefonat mit H.: der hat einfach geheiratet mal zwischendurch, forscht jetzt ein Jahr in Freiburg. Komplett andere Nummer, die da läuft, da sind wir uns nach wenigen Minuten am Telefon einig. 

    Parallel zu Anne Will gestern las ich in AfD und anderweitig “patriotischen” Twitteraccounts, wie da zB die Merkel-Nummer aufgenommen wurde, wollte mir generell den Vibe dort mal abholen. Tapeten aus Hass, und zumindest unfreiwillig das Zugeständnis der Patrioten, dass sie Merkel für so mächtig halten, dass sie Deutschland im Alleingang “beerdigen” kann. 

    Morgen will ich versuchen, meinen Kopf aus dem Wind zu halten. Ich schlafe gut, aber ich wache und wandle mäßig.

  • Dienstag, 15. November 2016

    Ich gucke raus und will drinner denn je sein. Dann mach doch? Okay!

    Patrick Bahners schrieb vor einigen Wochen von der “besonderen Komparatistik”, die der “Todesfall stimuliert”. 2016 ist ein gutes Jahr für genau diese Komparatistik, Leonard Cohen als letztes Update. Es war ja schon ein bisschen geisteskrank, wie viele Menschen nach Bowies Tod meinten, nicht nur die Karriere und Musik gesamtpophistorisch einordnen zu können, sondern auch mit welcher ins Angeberhafte tendierenden Selbstverständlichkeit diese gravitätischen Einschätzungen in die Welt entlassen werden. Bei Cohen fällt jetzt auf, daß, obwohl er hunderte von Songs geschrieben hat, fast immer nur die Zeile mit dem crack in everything, durch den das Licht usw. gepostet oder zitiert wird. Wie funktioniert das, selektiv? Ist es schlichtweg die beste Zeile Text, die er geschrieben hat? Dann wäre das vielleicht etwas Gelungenes: auf einen Satz reduziert? 

    In der frühen Nacht, durch den dunklen Flur ins Badezimmer, da sehe ich etwas auf der Tür, einen grauen Streifen, den ich da noch nie gesehen habe. Es war aber nur der lange dünne Schatten der Türklinke, vom Licht, das durch den Türspalt dringt, da hingezeichnet. 

    Nur wenige hundert Meter von meiner Wohnung entfernt, am Hauptbahnhof, wurde ein 29jähriger Obdachloser verprügelt, ausgeraubt und anschließend angezündet. Der Mann verbrannte in seinem Schlafsack. 

    Gestern Telefonat mit dem Notar. Er sagt, es gehe ihm gut, das rede er sich immer ein, das wisse ich doch.