• Sonntag, 15. Mai 2016

    Gestern Abend, auf dem Rückweg vom Atelier – 

    In der U-Bahn eine junge Frau, Mädchen, vielleicht 20, ich tippe auf Iranerin (ich sehe sowas), eine richtige Erscheinung, tolle Haare, trug einen burschikosen schwarzen Quiff, locker, damenhaft schlank, trug ein weißes enges Oberteil, weiße Hotpants, eine schwarze Strumpfhose, klobige Stiefel mit hohen Absätzen, darüber einen beigen Trenchcoat… Sie sah so toll aus, ich hätte es ihr gerne gesagt, aber aus Gründen der Vermengung usw. habe ich es natürlich nicht getan. Unsere Blicke trafen sich zwei Mal etwas länger, ich weiß nicht, ich hoffe, ich habe sie nicht angestarrt in meiner Bewunderung. Mich rührt es immer wieder, wenn sich dieser ungemein komplexe Eindruck von Jugend und Findung in einer jungen Frau zeigt, dass es sogar den Aspekt fashion, der mich eigentlich zu Tode langweilt, verdrängt, und ich dahinter nur dieses große Gefühl sehe, nach Zugehörigkeit, nach Stil, nach Individualität. Was es rettete für mich, war ihr Gesichtsausdruck: weich und nicht zu sicher, keine Performancefratze, offen wie ein Samstagabend, and it was.

  • Freitag, 13. Mai 2016

    “Servatius, der am 13. Mai amtiert, wird mit einem Holzschuh erschlagen, dann Petrus’ Schlüsselwart und heilig; er hilft bei Fußweh und Rheuma.” Kapielski, Zeitbehälter

    Eisheilige. Innerhalb einer Woche erblühten hier die Eschen in der Straße. Die Äste der hohen Bäume sind schon dicht bewachsen mit Blättern, auf denen noch ein purpurner Schimmer liegt. 

    Gestern habe ich meine Abschlussprüfung angemeldet. Heute sortiere ich Kleidung aus. Ein grünes T-Shirt mit der Aufschrift “Meadow Breeze” ziehe ich nicht mehr an. Mittagessen (Rotbarsch) bei dem Italiener, wo die süße Tochter der Besitzer arbeitet. Etwas unscheinbar ist sie, und unscheinbar sind nahezu alle Frauen, die ich schön und oder süß finde. Die Bedienung fragt mich nach meinem Käfer am Schlüsselbund. Unter dem Käfer steht: Cameron Highlands, Malaysia. Was es für ein Käfer ist, weiß ich nicht. Es könnte ein Juwel-Käfer sein. Er ist 4 cm groß.

  • Donnerstag, 5. Mai 2016

    Was AMA bedeutet, musste mir durch meinen Browser vermittelt werden: Ask Me Anything – like on reddit. Vergesse ständig Abkürzungen, Internet-related, muss ständig Sachen googeln. Hinzu kommt diese optische Wirrniss, in den ganzen Interviews, wenn ich nach drei Fragen vergessen habe, wofür denn jetzt BL steht, ja klar: das sind die Initialen der befragten Person. Hatte schon “what is BL” in die Suchleiste eingegeben. Bescheuert. Engste Welt. Cross-confusion statt Cross-promotion.

    Jetzt bin ich auf dem Wikipedia-Artikel von Vaginal Jesus, die, wie ich jetzt, während ich das hier schreibe, weiß, eine “US-amerikanische rechtsextreme Hatecore- und Metal-Band” sind, Bereich White Power Movement. Besonderheit: es gibt keinen englischsprachigen Wikipedia-Eintrag zu Vaginal Jesus.

    Aus dem AMA mit Mark Messier, ehem. Mannschaftskapitän der Edmonton Oilers sowie der New York Rangers während ihrer jeweiligen Stanley Cup Siege:

    Who was the craziest goalie you ever shared a locker room with?

    A guy named Ax Smith. Used to wear thirteen pairs of socks in his skates and showered between every period. loved the guy.

    Links von mir, unter dem Blumenkasten mit der Minze und dem Basilikum, liegt auf der Couch aufgeschlagen der Katalog Print/Out des MoMa, die Sonne bestrahlt die Abbildung eines Posters von Daniel Joseph Martinez: “FREEDOM WITHOUT LOVE”