• Freitag, 20. Mai 2016

    Der Tod finde Abglanz im Schlafe, steht hier im Buch, aber ich sitze hier, im dunkelblauen Bademantel, und denke lebendig ans Gewesene: Mittwoch Termin beim Prof., dessen Meisterschüler ich bin, was ich wiederum manchmal vergesse, weil ich es natürlich niemals ausspreche. Ich überlege mir ja schon immer drei Mal, ob ich auf die Frage nach meinem Beruf “Künstler” antworte, weil es so….. genau. Gestern sagte Peter zu mir, daß ich das üben müsse, knallhart muss man das sagen, den Leuten hinknallen. Recht hat er. Der Professor jedenfalls bewertet meine Idee für den Abschluss als “sehr gut”, zum Kräutertee stellt er mir französische, zartrosafarbene Bisquitstangen mit Puderzucker hin. Ich esse zwei. 

    Im Buchladen dann weitere Infusionen der zarteren Art: zuerst zeigte mir mein Buchhändler und Strippenzieher B. Fotos aus Turin (Castello di Rivoli), dann schenkt er mir auch noch eine Flasche Wodka, wobei er mir genau genommen zwei Flaschen brachte, und ich gab dem teureren Polen den Vorzug vor dem Russen aus dem unteren Preissegment. Für unsere Studenten nur das Beste – steht ja auch schon an der Pforte der Akademie. B. lässt sanft die Information ins Gespräch fallen, die Kanzlerin habe Bücher bestellt bei ihm, Gesamtausgabe Uwe Johnson Jahrestage, Erstausgabe, signiert. Bestellt von Joachim Sauer, bezahlt vom Konto der Kanzlerin. Ich habe nicht gefragt, was das kostet. Der signierte Katalog von Kippenberger’s Hotelzeichnungen, der nur zwei Regaletagen darunter steht, kostet 1800 EUR. Das weiß ich natürlich. 

    Der Himmel um neun Uhr morgens sieht aus wie der Himmel um 19 Uhr abends. Los geht’s

  • Mittwoch, 18. Mai 2016

    Spiegel.de gebe ich meine Klicks für Fotostrecken schon lange nicht mehr. Um einen Leitspruch von Lemmy Kilmister abzuwandeln: denen würde ich nicht mal ins Maul pissen, wenn ihre Zähne brennen würden. Dafür gebe ich meine Klicks den Fotostrecken aus Cannes von The Guardian. Bemerkungen: 

    Ich nehme fürderhin in Schutz und verbitte mir sinnlose Kritik an: Lindsey Lohan, Kristen Stewart. 

    Absolut und grotesk überschätzte Clowns: James Franco, sowie der eine andere da

    Chloe Sevigny trägt a pussy-bow blouse, denim cut offs and her homage handbag. Foto von Dave Benett. “Pussy-bow blouse”? Was es alles gibt: Wow

    Heute Abend dann Fußball. 

    Das Wetter um 10:15h: 17 Grad, teilweise bewölkt, Feuchtigkeit: 55%, Regenwahrscheinlichkeit: 30%

  • Montag, 16. Mai 2016

    Gestern klappte es nicht mit der Mobilmachung. Der Tag flockte so weg, beim Araber musste ich gar ein Schawarma wieder abbestellen, weil mir dann im letzten Moment auffiel, daß ich ohne Geld aus dem Haus… Lektüren gestern: FAS, Kapielski, alte Emails. Ich weiß auch nicht, aber alte Emails: faszinierend, wem geht das auch so?

    Bröckelnd entlässt mich der Schlaf in den Pfingstmontag, der sich hier lichtgrau darstellt. (“lichtgrau” habe ich von F. gelernt. Ich hätte es, wahrscheinlich, auch von woanders her gelernt, aber habe ich nicht.) Wahnsinn, wie schnell sich die Bäume begrünen: ein Umhang, mal eben übergeworfen. Die Vögel und ihr Tun machen das Ambiente komplett, ich darf nur nicht zu lange ins Lichtgrau starren, es macht ja selbst die bloße Vorstellung an ein gelebtes Leben nahezu unmöglich. Jetzt kommt ein dunkleres Grau in die Vedute, die von meinem Fenster eingerahmt wird. 

    Das Internet als der rote Eimer, aus dem man sich die fehlenden Teile holt, um die Angst komplett zu machen. An der Frage “muss ich für immer alleine bleiben, weil ich die Zweisamkeit in dem Maße verlerne, wie ich sie vermisse” klebt ein fremder Brei, der schon vorher im Eimer war, schwöre. Ich denke jedenfalls mehr an dich als an solchen Quatsch, und das bedeutet ja vielleicht nichts, wahrscheinlicher aber etwas. Ja, sag ich doch.