Der Tod finde Abglanz im Schlafe, steht hier im Buch, aber ich sitze hier, im dunkelblauen Bademantel, und denke lebendig ans Gewesene: Mittwoch Termin beim Prof., dessen Meisterschüler ich bin, was ich wiederum manchmal vergesse, weil ich es natürlich niemals ausspreche. Ich überlege mir ja schon immer drei Mal, ob ich auf die Frage nach meinem Beruf “Künstler” antworte, weil es so….. genau. Gestern sagte Peter zu mir, daß ich das üben müsse, knallhart muss man das sagen, den Leuten hinknallen. Recht hat er. Der Professor jedenfalls bewertet meine Idee für den Abschluss als “sehr gut”, zum Kräutertee stellt er mir französische, zartrosafarbene Bisquitstangen mit Puderzucker hin. Ich esse zwei.
Im Buchladen dann weitere Infusionen der zarteren Art: zuerst zeigte mir mein Buchhändler und Strippenzieher B. Fotos aus Turin (Castello di Rivoli), dann schenkt er mir auch noch eine Flasche Wodka, wobei er mir genau genommen zwei Flaschen brachte, und ich gab dem teureren Polen den Vorzug vor dem Russen aus dem unteren Preissegment. Für unsere Studenten nur das Beste – steht ja auch schon an der Pforte der Akademie. B. lässt sanft die Information ins Gespräch fallen, die Kanzlerin habe Bücher bestellt bei ihm, Gesamtausgabe Uwe Johnson Jahrestage, Erstausgabe, signiert. Bestellt von Joachim Sauer, bezahlt vom Konto der Kanzlerin. Ich habe nicht gefragt, was das kostet. Der signierte Katalog von Kippenberger’s Hotelzeichnungen, der nur zwei Regaletagen darunter steht, kostet 1800 EUR. Das weiß ich natürlich.
Der Himmel um neun Uhr morgens sieht aus wie der Himmel um 19 Uhr abends. Los geht’s