• So, 30.6.2024

    BAD PRINT IS HYPERREAL IMMERNOCH UND DESHALB PART 2

    Blitze erhellten die Nacht. Das ist doch ein schöner Satz, wenn man den so hinschreibt.
    Jetzt ist das Fenster weit auf, dass hier der Luftwechsel stattfinden möge, ich diese stehende Wärme aus den Wänden bekomme. Wenn es so warm ist in der Wohnung, ist jeder Gegenstand zu viel, zu nah. Jeder Teppich wird zur grotesken Idee.
    Nicht heute. Kühle Luft streift mein nacktes Bein, pustet den Schmelz der Tage weg.

    Don DeLillo Mao II. Alles, was ich von Buchloh finden kann, über die Moderne, die Konzeptkunst, zwischen Adorno und Horkys Kulturindustrie-Kapitel und Debords Spektakel. So hell, es ist doch finster. Die sachliche Zerlegung von Anne Imhoffs Venedig-Pavillion, hypertropher kollektiver Narzissmus, bellende, schwarze Hunde. Ich bin am Arsch. Bin ich?

    Puste den Schmelz der Jahre weg.

    Kühles Wasser, und: Zigaretten schmecken mir überhaupt nicht mehr.

    Die African boys am Ebertplatz, sie sprechen fast alle Fula, manche Wolof. Guinea, Gambia, Senegal. Jetzt möchte ich das ein bisschen lernen, so Standardzeug, das man nett Guten Morgen sagen kann.

  • Do, 27.6.2024

    UNEXPECTED RED

    Dann saß ich, letzte Woche war das noch, in Berlin, morgens am Tag der Feier in Pankow, mit Philipp zusammen, in Unterhose, und wir, ich weiß nicht mehr genau wie, kamen auf Habermas, das Habermassche Element und wie eingesickert es ist in den deutschen Sphären, zu sprechen, bzw. ich glaube, es war so, daß ich Philipp bat, mir einen kleinen Abriss zu geben über Habermas und warum jetzt, weil er selbst wegen des Gesprächs mit Philipp Felsch bemerkt hatte, wie Habermas auf einmal ein Thema …nein, Moment, Blödsinn, wir kamen drauf wegen Markus Lanz.
    Draußen war ein schwerer Regenguss nocht nicht ganz in Fahrt gekommen, von dem fünf Stunden später, bei der Feier, schon gar keine Spur, keine Erinnerung mehr da war. Das ist die Wahrheit.
    Das ist die letzten Male, wenn ich bei Philipp war, immer so gekommen, dass man einmal während des Besuchs so naturally zusammenkommt, morgens meistens, und auf einmal war es anderthalb, zwei Stunden in eine tiefe Unterhaltung ausgeartet, und zwar so, daß ich mich auf halbem Wege ein bisschen ärgere, das nicht aufgenommen zu haben mit dem TELEFON, das wäre was gewesen hier fürs Journal, schon für das Abtippen allein, jedes Wort noch einmal neu hinzuschreiben, Worte des 22. Juni 2024, remember? Eine Gesprächsabschrift, so ist mein Eindruck, fehlte hier noch, für das Gesamtbild, für die appearance of things.

    Tags zuvor hatte ich einen Maler, den ich persönlich nicht kannte, in seinem Schöneberger Atelier besucht und im Gespräch ließ ich ein bisschen meinen Frust ab, über diese Stadt hier, über das, was mir hier so fehlt, materiell, geistig, und das kommt mit der Erkenntnis des eher unangenehmen Umstands einher, dass man, je mehr man mit seinem Selbst in die sog. Professionalität des Künstlerberufs hineinragt, lernen muss über sich selbst zu reden in einer Art, die mir nicht ganz geheuer ist. Immer noch nicht. Es ist immer irgendetwas falsch an dem Ton, den es erzeugt. Und wie hört, wie versteht es erst der andere?

  • Fr, 21.6.2024

    IM SCHLANGENHAIN

    Das schön-Schöne am FRÜHEN ZUG: das frühe Aufstehen tut gut, sofort wach sein, weil ich muss, und Wachheit ist wie eine Benommenheit, so wie Nüchternheit eine Sensation ist. Oder so. Jedenfalls steht man auf, und man hat dieses Programm, der Ablauf ist klar, ein angenehmer Druck klarzukommen, denn der Zug wartet nicht auf einen, der sagt goodbye Hurensohn, wenn du dir zu lange ein Hemd aussuchst, oder diesem kranken Drang nachgehen willst, noch möglichst viele Kleinigkeiten, für die man die Woche über zu träge war, perverserweise JETZT zu machen, Müll sortieren, neue Schnürsenkel einbauen, oder gar die Fenster putzen, durch die man den bereits den MORGEN seine rosa Wangen zeigen sieht. Und wie ich dann aus dieser Benommenheit erwache, zu mir komme zum ersten Mal an diesem Morgen, da sehe ich vor mir: meine Füße, wie sie über Berliner Pflaster gehen. Ich bin da.